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Während ich in der Küche meinen Abwasch machte, hörte ich seit Jahren die vollständige Version von „Keine Macht für Niemand.“ Auf einmal merkte ich, daß ich in einer vollkommen anderen Welt lebe. Nicht, daß sich der äußere gesellschaftliche Rahmen wesentlich geändert hätte. Doch in mir hat sich etwas verändert. Ich gehöre weder einer „roten“ noch einer „schwarzen“ Front an.
Entweder geht der Mensch in seinem gesellschaftlichen, politischen Handeln nach Außen. Das hat mich jedenfalls nicht besonders glücklich gemacht, als ich es getan habe. Weder in meiner revolutionären Jugendzeit noch in den vergangenen Jahren, als ich nicht anders konnte, all das (laut) auszusprechen und aufzuschreiben, was mich bewegte, was mich fassungslos machte und (fast) an den Rand des Wahnsinns und der Depression trieb. Aber es mußte sein, um herauszufinden, was geht und was nicht geht.
Oder der Mensch geht nach Innen. Findet seinen Weg zur Liebe. Zu sich selbst, zu seinen Liebsten, zu den Menschen, mit denen er arbeitet und lebt. Vielleicht zu Menschen, die man auf den ersten Blick nicht sympathisch findet. Und vielleicht sogar zu Menschen, die man abschreckend findet. Allemal ist es ein friedlicher Weg, der mal sehr abenteuerlich, mal lustig, mal traurig ist. Auf diesem Weg fühle ich mich eins mit mir. Egal, was dann im Außen passiert, ich bin in meiner Kraft.
Ich wollte das Politische mit dem Spirituellen verbinden. Für mich ist das nicht möglich. Beim Spülen habe ich zutiefst gefühlt, daß mein Weg der Weg nach Innen ist. Es ist wie eine zweite Chance, bewußt – oder genauer genommen – bewußter als bisher, die eigene Spiritualität zu leben. Nicht mehr zu grübeln, was hätte anders laufen können. Zurückzukommen von diesen unendlich langen Reisen in die Vergangenheit, um die alten Schmerzen verabschieden zu können. Anzukommen in dem, was Hier und Jetzt passiert.
Es gibt keinen anderen Weg für mich.
Love
Burcado Ajad
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Wenn der Mensch einen spirituellen Meister sucht, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder suchst du dir einen lebendigen Meister oder du arbeitest mit einem Meister, der nicht mehr in seinem Körper lebt. Der lebendige Meister, vorausgesetzt, es handelt sich wirklich um einen Erleuchteten, mischt sich permanent in deine Entwicklung ein. Der andere begleitet dich; du übernimmst die Verantwortung für all deine Handlungen und Entscheidungen.
Daß Bhagwan nicht mehr Bhagwan war, sondern ein Geistwesen mit dem Namen Osho, machte es leichter, mit Meditationen zu experimentieren, die in Poona entstanden sind. All das, was ich seinen Büchern entnahm, waren für mich wertvolle Hinweise und wichtige Anregungen. Und dann seine Witze… Weil es einleuchtend erschien, daß mich Eltern und Lehrer psychisch konditioniert hatten – in einer Weise, die ich nicht mit dem Verstand rückgängig machen könne -, bereitete ich mich auf Meditationstechniken vor, die Osho als „aktive“ Meditationen bezeichnete.
Doch die Furcht, daß mein Unterbewusstsein durch subliminale Botschaften neu programmiert werden könne, beschäftigte mich eine Zeit lang. So schaute ich mir das Konzept der Kundalini genau an und schüttelte meinen Körper, während auf dem Plattenteller „Sympathy for the devil“ von den Stones lief. Wild tanzen konnte ich mit Santana, Jimi Hendrix, Deep Purple und all der schönen Mucke aus der Woodstock-Aera. Für die Phase des Zuhörens nutzte ich die Musik von Andreas Vollenweider; das Ende der stillen Meditation markierte das Signal meiner Armbanduhr.
Diese Prozedur war ganz nett, die Musik auszusuchen machte viel Freude und ich merkte, wie ich mich beim Tanzen ohne Zuschauer wohl fühlte. Während mir Oshos Konzept immer besser gefiel, empfand ich mein Mißtrauen als Barriere. Es war lästig, nach jeder Phase eine Unterbrechung zu machen, um die Musik zu wechseln. So kaufte ich endlich die Kundalini-CD und nahm fremde Botschaften, wenn es sie denn geben sollte, bewußt in Kauf. Falls ich in irgendeiner Weise manipuliert werden würde, dachte ich, könne ich auch damit umgehen.
Mein Leben veränderte sich radikal. Gute drei Wochen lang machte ich jeden Tag die Kundalini. Alles, was ich an Hintergrundwissen benötigte, las ich bei Osho. Die ersten drei Tage beobachte ich mich, ob mir die Meditation wirklich gefiel. Ich achte darauf, ob ich Magenverstimmungen bekam; aber es gab keinen inneren Widerstand. Meine Einstellung war locker; ich wollte nicht erleuchtet werden und ich machte die Kundalini nicht, um Etwas zu erreichen. Ich wollte alle Konditionierungen aus mir herausschütteln, wild und ekstatisch werden und eine Ahnung davon bekommen, was Meditation wohl sein könne.
Ein paar Wochen nach meinem Kundalini-Projekt saß ich an meinem Eßtisch, befand, daß ich meine Wohnung aufräumen solle und war gleichzeitig fasziniert von dem Blick aus meinem Dachfenster. Ich ließ die Unordnung so wie sie war, suchte mir Zeichenblock und Stifte heraus und zeichnete, malte, radierte in einer Weise, die mir kein Lehrer beigebracht hatte. Nach zwei Stunden fühlte ich, daß das Bild fertig war. Irgendwie hatte ich das Gefühl, daß ich Zeit brauchte, um mich mit meinem Werk anzufreunden. Es war von mir; doch nicht durch meinen Kopf, sondern durch mein Sein entstanden. Erst am nächsten Tag begriff ich, daß nicht das konditionierte Kind gemalt hatte, sondern der Künstler in mir. Das war für mich der erste sichtbare Beweis, wie tief Oshos Meditationstechnik arbeitet.
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Als westlicher Mensch hatte ich 1994 keine Vorstellung, was Meditation bedeutet. Natürlich hatte ich eine Freundin gesehen, die anmutige Yogaübungen machte. Die ersten Schritte in eine andere Welt machte ich 1983 mit Übungen aus dem Autogenen Tranining, dann freundete ich mich sieben Jahre später mit Hatha-Yoga an, bis ich an dem Punkt angelangt war, an dem ich alleine nicht mehr weiter wußte. Die Asanas halfen mir, meinen Körper zu versorgen, doch parallel spürte ich, wie sich meine emotionale Panzerung verstärkte. Auch die Mudren, die ich aus dem „Buch der spirituellen Selbstverwirklichung“ entnommen hatte, gaben mir keinen Anhaltspunkt.
So gesehen war ich reif für einen spirituellen Meister. Doch welchen Weg soll ein Autodidakt wählen, der Fremdbestimmung ablehnt? Es wäre mir nicht in den Sinn gekommen, in einen Laden zu gehen, um nach einem Guru zu fragen. Zwar fastete ich mit einem türkischen Freund einen Monat lang, besuchte einen schamanischen Workshop und bekam als Freund einer strenggläubigen Buddhistin Einblick in spirituelle Praktiken. Aber dadurch wurde vor allem mein Wille geprägt, daß jeder Mensch sein eigener Meister werden soll, ohne Fremdbestimmung irgendeiner Person, Organisation oder Kirche.
Der entscheidende Zufall trat durch ein Ereignis in mein Leben. Das gewisse Etwas lockte mich mit einer Party. Das Fest hatte keinen besonderen Anlass, war rauchfrei und von Oshos Sannyasins organisiert. Als ich mich auf den Weg machen wollte, versperrte mir meine Freundin den Weg, weil sie befürchtete, daß ich zu einer Sexorgie unterwegs sei. Doch ich war viel zu verklemmt, um mich auf eventuelle One-Night-Stands einzulassen. Dennoch war in mir ein Funke entbrannt, der mich sehr entschlossen handeln ließ. Durch ein Telefonat organisierte ich ein Asyl, machte mich auf den Weg und tanzte auf der Disco in der Bremer Eduard-Grunow-Straße, alles andere vergessend.
In den kommenden Wochen verschlang ich „Ganz entspannt im Hier und Jetzt“, das Buch des ehemaligen Sternreporters Jörg Andres Elten. Während ich seinen Schreibstil nicht besonders mochte, gewann ich den ersten Einblick in Bhagwans Poona. Ehrlich gesagt, mein Interesse war geweckt. Sowohl an der Person des Meisters, an seinen Meditationstechniken als auch an der Mysterienschule Poona. Doch bevor ich mich mit Stones, Santana und Deep Purple an meine selbstgebastelte „Osho-Meditationen“ heranwagte, konnte ich in meinem Asyl die mehrstündige Rundfunksendung „Nada Brahma – Die Welt ist Klang“ kennenlernen. Gleichzeitig hatte ich eine tibetische Klangmeditation, Oshos „Nadabrahma“ gefunden.
Immer wieder stellte ich mir die Frage, ob Osho wohl ein Erleuchteter war und fand keine Antwort darauf. Ich fing an, mich über die vielen Anregungen zu freuen, die ich ab jetzt überall in Oshos Büchern oder Tarotspielen fand. Ich war auf einem Weg, der zu mir paßte. Ich war auf einem Weg voller Abenteuer, auf einem Weg, von dem der Meister sagte, daß er gefährlich sei. Erfreut über diese ehrliche Aussage, ging es für mich los.
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In Lak’ech a La’ken – Ich bin ihr und ihr seid ich.
Indianische Weisheit
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Wer bin ich?
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Manchmal gelingt es mir, einen Hauch von Meditation zu spüren. Für einen kleinen Moment kann ich frei von Gedanken sein. Weil ich Autodidakt bin, habe ich mir eine Reihe von Meditationen zugelegt, die ich alleine zuhause machen kann. Und natürlich, wenn ich will, auch mit anderen Menschen. Und so, wie ich es tue, bereitet es mir sehr viel Freude. Eine meiner Lieblingsmeditationen ist die „Dynamische Meditation“ von Osho. Eigentlich ist die Dynamische keine Meditation; sie ist vielmehr eine Meditationstechnik. Meditieren ist für mich die Grundlage des alltäglichen Lebens.
Der Dynamischen habe ich mich sehr, sehr vorsichtig genähert. Ich habe mir Zeit genommen, um mich auf meine Weise zu entwickeln. Die grundlegende Frage, die ich mir stellte, bevor ich mir 1994 die Dynamische als CD kaufte, war die Frage des Vertrauens. Sollte ich einem indischen Guru vertrauen, der mir, als er Bhagwan hieß, nicht gerade sympathisch erschien? Irgendwann fing ich an, Osho kennenzulernen. Eines Tages sah ich ihn in einem Schaufenster einer Bremer Buchhandlung. Er hielt sich in einem Yogabuch auf; und weil Yoga der Bereich war, in dem ich mich zumindest ein wenig auskannte, kaufte ich das Buch, um mich weiterentwickeln zu können.
Obwohl das Buch auf Englisch geschrieben war – und Englisch war noch nie meine Stärke gewesen – arbeitete ich mich Stück für Stück, Tag für Tag, Kapitel für Kapitel voran. Ich bin ein intellektueller Mensch, der auf diese Weise seinen Weg gefunden hat. Ich gestehe, daß es nicht Liebe war, die meinen Weg zu Osho bahnte. Osho mußte sich mein Vertrauen erst verdienen. Das Yogabuch gab mir eine neue Perspektive; ich anerkannte den Guru als einen Weisen in Sachen Yoga und Menschlichkeit. Respekt – und eine tiefe Achtung vor diesem immensen Wissen – ließen mich neugierig werden. Osho hat das gewisse Etwas, das ich in den siebziger Jahren als natürliche Autorität bezeichnet hätte. Doch auf dem Weg in die neunziger Jahre verlor ich mein Urvertrauen. So stand ich hilflos einem Geistwesen gegenüber, mit dem ich noch nicht viel anzufangen wußte. Erst durch einen interessanten Zufall machte ich den nächsten Schritt.
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