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Worpswede 2009
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„Komm, gib mir deine Hand,“ sagte Sylvia zu Bjoerc, „Kinder in meinem Alter lieben es, Hand in Hand zu gehen. Es ist ein wunderschöner Energieaustausch, wärmt die Hände, erfreut das Herz und gibt dem jungen Wesen emotionale Sicherheit.“ Kaum hatte sie die Worte ausgesprochen, ließ sie Bjoercs Hand wieder los und lief zur hinteren Terrasse des Kaffeehauses. Sylvia hatte einen Pfau entdeckte, der sich den beiden in all seiner Schönheit zeigte.
„Ich habe schon lange kein Pfau mehr gesehen,“ dachte Bjoerc leise, „und noch länger ist es her, dass ich mich an einem Pfauenrad ergötzen konnte.“ Als er Sylvia erreichte, kniete er sich neben sie. Es war eine symbolische Handlung, die er gerne mochte, seit dem er Vater war. Beide genossen den Moment. Dann schaute sich Bjoerc nach einer Pfauenfeder um, doch er konnte keine entdecken. „Du musst auf den Herbst warten,“ meinte Sylvia, „das ist die Zeit, um Pfauenfedern zu suchen.“
Am Rundhaus hielt das Mädchen plötzlich inne. Vor dem Eingang zu Anamos Grundstück lag ein großer Hund und versperrte ihnen den Weg. „Hallo, Harry Potter,“ sagte Bjoerc, „erkennst du mich nicht mehr?“ Der Hund stand auf, schüttelte sich gründlich und wedelte mit seinem Schwanz. Harry sprang in die Höhe, Bjoerc lachte, hielt den Hund mit seinem Armen fest und fing an, mit ihm zu tanzen. Sylvia blieb skeptisch am Eingang stehen. „Ich habe Angst vor Schäferhunden,“ sagte Sylvia, „Bjoerc, du musst zu mir kommen und mich beschützen.“
„Das ist Harry Potter. Er ist ein Freund aller Kinder. Und ich glaube, dass er Sternenkinder am liebsten mag.“ Bjoerc gab Harry das Signal, Platz zu nehmen. „Schau mal, Sylvia, was ich jetzt mache.“ Er krempelte seinen rechten Ärmel hoch und schob seinen Arm in Harry Potters Maul. „Früher hatte ich lange Zeit Angst vor Hunden. Ich habe sie irgendwie überwunden.“
Sylvia näherte sich Bjoerc und dem Schäferhund. „Und wie?“ fragte sie.
„Eines Tages, ich glaube, ich war nicht viel älter als du, ich mag wohl acht Jahre alt gewesen sein, spielte ich mit Rina. Wir wohnten nah beieinander, nur ein großer Sandweg, der bald darauf eine Straße wurde, trennte unsere Häuser. Wir hatten unseren Spaß beim Murmelspielen in einem großen Sandhaufen, der am Straßenrand lag. Als ich mich von Rina verabschiedet hatte, kam ein großer Schäferhund auf mich zu gesprungen. Ich hatte das Gefühl, dass ich um mein Leben rennen musste und irgendwie schaffte ich es bis zum Eingang des Friseursalons. Ich riss die Tür auf, glitt hinein und schlug sie „Luchs“, so hieß der Hund, vor der Nase zu.“
Bjoerc machte eine Pause; Sylvia bedrängte ihn fortzufahren. „Ich hatte viel Glück,“ sagte Bjoerc. „Ein Nachbardorf weiter lebte in Sillenstede mein Großonkel Karl. Der wiederum hatte einen Hund, genauer gesagt, eine Hündin namens Bella. Bella war eine Boxerin und ich habe es nie verstanden, warum die Menschen auf die Idee gekommen sind, ihre Schwänze zu kupieren. Bella, so sagte mir mein Onkel, sei ein kinderlieber Hund. Er band Bella an eine Leine, die ein grausames Zwingerhalsband mit starken Dornen hatte. So durfte ich mit Bella im Dorf spazierengehen. Das war die erste Handlung, die mir half, meine Angst zu überwinden. Bella und ich hatten viel Spaß miteinander, und manchmal sind wir sogar zusammen auf dem Friedhof gewesen, obwohl es verboten war.“
Bjoerc erzählte Sylvia dann die Geschichte von einem Hund, den er gefunden hatte, als er sechzehn Jahre alt war. „Ich lief eines Tages zu meinem Freund Eric nach Accum, um mit ihm Schach zu spielen. Am Straßenrand winselte ein Jagdhund und ich hatte das Gefühl, dass er kein Zuhause hatte. Nachdem ich ihn getröstet hatte, kam er mit zu Eric. Am Abend lag er immer noch an der Stelle, an der ich ihn draußen vor der Tür zurückgelassen hatte. Er hatte beschlossen, dass ich sein neues Herrchen sei und folgte mir nach Grafschaft. Dort erklärte ich meinen Eltern, dass „Smetana“, so habe ich den Hund genannt, ab jetzt mein Hund sei. Meine Eltern haben jedoch weder meine noch Smetanas Wünsche respektiert. Schon einen Tag nach seiner Ankunft haben sie ihn mit einer schlechten Ausrede weggeschafft.“
„Das ist wirklich traurig und gemein. Erzähl weiter.“ Bjoerc fuhr fort. „Viele Jahre später, das war Ende der neunziger Jahre, bin ich von Bremen aufs Land gezogen und wohnte in Eckstever bei Ottersberg, um dort Kunsttherapie zu studieren. Mein Zuhause war ein schöner alter umgebauter Bauernhof. Bewacht wurden das Haus und das Gelände von „Micha“, der ebenfalls ein Schäferhund war. Micha liebte es, wenn Fremde am Haus vorbei radelten. Er lief zu ihnen hin, bellte kräftig und versperrte ihnen den Weg. So ein erschrockener Radfahrer sprang vom Rad und hielt es schützend vor sich. Für Micha war das ein schönes Spiel. Immer, wenn er einen Schritt tat, bewegte sich der Radfahrer mit dem Rad vor sich ein wenig im Kreis. Sein Frauchen musste herbeieilen, um Michas Spiel zu beenden.“
Sylvia lachte. „Das war wohl ein drolliger Hund,“ sagte sie und näherte sich Harry Potter. „Ob wir uns wohl vertragen?“ Dann streckte sie ihm vorsichtig die Hand entgegen. Harry Potter schnüffelte und leckte dann Sylvias Hand. Bjoerc dachte dabei an den Moment, als er Micha zum ersten Mal den bloßen Arm ins Maul gesteckt hatte. Seit dem hatte er kaum Angst vor Hunden. Nur Kampfhunde und Nuttenfiffies bereiteten ihm Schwierigkeiten.
Das Küchenfenster öffnete sich. „Guten Morgen, Bjoerc. Schön, dass du da bist.“ Anamo strahlte, als ob sie eine Sonne war. „Und wen hast du mitgebracht?“
Bjoerc hörte sich selbst erstaunt zu, als seine Stimme sagte: „Das ist Sylvia. Sylvia ist meine Tochter. Es wird Zeit, dass ihr euch kennenlernt.“
Anamo nickte und sagte: „Herzlich willkommen, Sylvia. Ich freue mich, dich kennenzulernen. Kommt doch rein. Übrigens habe ich schon Besuch von einer Frau, die auch Sylvia heißt.“
Sylvia nahm Bjoercs Hand und schob ihn langsam vor sich ins Rundhaus. „Ich wusste ja nicht, dass du eine große Tochter hast,“ sagte Anamo und sah Bjoerc fragend an. Nachdem sich die beiden herzlich und lange umarmt hatten, ging Bjoerc auf Anamos Besuch zu. Die nächsten Augenblicke veränderten Bjoercs Leben. Als er der großen Sylvia in die Augen blickte, fingen tausend Schmetterlinge an, in seinem Bauch zu tanzen. Einen Moment später reichte er ihr seine Hand zur Begrüßung. Parallel zu seiner Bewegung sah er, dass die junge Sylvia durch seinen Arm hindurch schritt und sich in der erwachsenen Sylvia auflöste.
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The Beatles – I Want To Hold Your Hand
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Across The Universe – I Want To Hold Your Hand
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