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Rundhaus – Worpswede 2009
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Sylvia, Anamo und Bjoerc gingen in Anamos Tempel. Alle waren in den Farben Dunkelblau, Hellblau und Türkis gekleidet; Anamo trug einen dunkelblauen Midirock, eine durchsichtige dunkelblaue Bluse und eine türkises Kopftuch; Sylvia zeigte sich in einem kurzen dunkelblauen Jeans-Faltenrock. Darüber trug sie einen dunkelblauen Nikki, auf dem sie einen hellblauen Drachen gestickt hatte. Ihre Augenlider waren türkis geschminkt. Bjoerc hatte sich für eine dunkelblaue Pumphose, ein helltürkises Faltenhemd und eine hellblaue Weste entschieden.
Als erstes verneigten sie sich vor dem Geist des Raumes und baten Shiva und Shakti um einen tantrischen Segen. Der nächste Abschnitt der tantrischen Session – das hatten sie unter der Dusche festgelegt – war wildes ekstatisches Tanzen. Während Anamo und Sylvia ihn liebevoll eingeseiften, berichtete er, wie er 1994 in Bremen zwei Stunden lang getanzt hatte, bis er eine ekstatische Trance erlebte. Danach habe er fünf Wochen lang Tennisarme gehabt. Aber das habe ihm nichts ausgemacht, obwohl er Tagein, Tagaus in der Dunkelkammer Filme beim Entwickeln schütteln musste.
Heute durfte er der DJ sein. „Ich möchte ganz gerne mit einer starken männlichen Energie beginnen,“ sagte er und legte „Ssssh“ von „Ten Years After“ in den CD-Player. Zunächst „Bad scene“ und dann noch „Two Time Mama“, Bjoerc lachte, „eigentlich soll es heute One-Mama-Time heißen.“
Sie tanzten sich warm; die Augen die meiste Zeit geschlossen. „Mögt ihr noch mehr männliche Energie?“ Die Frage war rhetorisch, störte aber nicht in der manischen Stimmung. „Hier ist Ten Years After, live at the Fillmore East mit „Help Me“. Anamo, Bjoerc und Sylvia stampften durch den Tempel, hüpften, kreischten und schrien, bis sie sich wie Derwische zur Musik drehten. Die Kunst der Ekstase war ihnen vertraut; war einmal der Weg – ohne Alkohol – gefunden, ließ er sich jedes Mal schneller wiederfinden. Nach „I’m going home“ überlegte sich Bjoerc, die Energie zu wechseln, doch die Stimmung verlangte noch mehr „Ten Years After„. „Good morning, little Scoolgirl.“ Löffelweise. Eimerweise. „Spoonful.“
Alle waren außer sich und je mehr sie außer sich waren, kamen sie in tiefen Kontakt mit ihrer eigenen Mitte. Sie tanzten aus dem Bauch heraus; nicht um dem anderen zu gefallen, sondern um den innersten Impulsen Ausdruck zu geben. Zum Abschluss legte Bjoerc Santanas „Jingo“, diesmal Fillmore West, auf. So wild hatte er sich noch nie erlebt. In den Augen von Anamo und in den Augen von Sylvia spiegelte sich seine Wildheit und Schönheit. Jeder, jede widerspiegelte dem anderen sein tiefstes Sein; ohne nachzudenken, voller Freude, in tiefer Ekstase.
Bei den letzten Klängen sanken die drei gleichzeitig auf den Boden, legten sich hin, atmeten laut und sagten nichts. Nach einer viertel Stunde setzten sie sich alle in den Lotussitz und genossen die Energie in sich. Die drei hatten eine gemeinsame Energie kreiert, die den ganzen Tempel erfüllte. Anamo leitete dann den zweiten Abschnitt mit einer tantrischen Meditation von Osho aus dem „Vigyan Bhairav Tantra“.
„Ich möchte vorschlagen, dass wir uns für diese Meditation ausziehen; sie wird dann noch kraftvoller, schöner und sinnlicher. Die Medi besteht aus vier Teilen und macht dich sensibel für das, was in dir ist. Nimm alles wahr und nimm das wahr, was hinter deinen Augen, deinen Ohren und hinter deinem Tastsinn ist. Wir setzen uns nah beieinander im Kreis hin, ohne dass sich unsere Körper dabei berühren. Die erste viertel Stunde schaust du den Körper der anderen an und erinnerst dich daran, dass du mit den Augen siehst. Deine Augen sind Fenster; doch fokussiere den Teil in dir, der sich hinter den Augen befindet. Im zweiten Teil dreht es sich um die Ohren; im dritten um die Hände. Wir bleiben so sitzen, doch deinen Händen ist es erlaubt, den anderen überall zu berühren. Die Berührung ist liebevoll und unschuldig zugleich – darum dreht es sich, so dass deine Aufmerksamkeit wieder nach innen schauen kann. Beyond the beyond. Der vierte Teil ist wieder Stille. Jeder sucht sich alleine einen Platz zum Liegen und die Augen sind geschlossen.“
„Das hast du dir schön ausgedacht,“ sagte Sylvia und Bjoerc nickte. Auf diese Weise wurde die alte tantrische Meditation mit lustvollen Inhalten gefüllt und sein Lingam wurde leicht größer, bevor Anamo die Medi startete.
Nach dieser Meditation machten die drei eine Pause in der Küche. Sie stellten eine leichte Mahlzeit mit Reis, Hähnchenbrüsten, Feldsalat mit Orangen, Äpfel und Nüssen zusammen, zum Trinken gab es gekühlten Apfelsaft; zum Nachtisch zauberte Anamo zwei Mangos auf den Tisch. Anschießend legte sie ein Klavierkonzert auf, verbunden mit dem Vorschlag, die tantrische Energie, die sie gemeinsam kreiert hatten, durch Stille zu halten und zu intensivieren.
Den dritten tantrischen Teil leitete Sylvia. „Die Übung – ich nenne sie „Im Zauber des Gartens“ – ist erotisch, sinnlich und sexuell zugleich. Tantra achtet dabei auf das Gleichgewicht von Geben und Nehmen. Während zwei von uns die Gebenden sind, darf der dritte nehmen. Nach ungefähr einer dreiviertel Stunde wechselt der Nehmende sein Rolle – ihr versteht das schon. In dieser erotischen Massage werden Chakren und Nebenchakren im ersten Durchgang berührt, im zweiten angepustet und im dritten geküßt. Und nun die Zonen und Chakren. Sylvia erklärte den Zusammenhang von Ohrläppchen und erstem Chakra, dem Nacken und dem Halschakra und vielen anderen Körperbereichen, die alle ihre tieferen Verbindungen und Bedeutung haben.
„Am meisten Spaß macht es,“ sagte Sylvia, „zunächst die Sekundärzonen zu liebkosen, dann die Primärzonen wie Lippen, die Brüste und die Knospen, die Yoni, der Lingam. Zu den Tertiärzonen gehören beispielsweise die Seiten des kleinen Fingers, die Handflächen, die Fußsohlen und die großen Zehen. Denkt jetzt nicht soviel darüber nach, ich leitete uns mit Worten durch die Massage.“
In allen vier Ecken des Tempels brannten Kerzen im Farbspektrum der ersten tantrischen Begegnung. Mehrere CDs von Deva Premal lagen neben dem Player und Sylvia fing mit „Love is Space“ als dezenter Hintergrundmusik an. Bjoerc sorgte mit einem Sandelholzstäbchen für Wohlgeruch, während sich Anamo auf die Mitte des Futons legte.
Die Zeit schien stehen zu bleiben, während sich Anamo, Bjoerc und Sylvia liebevoll massierten. Immer wieder lachte und giggerte einer von ihnen, dann war es wieder besonnen und still. Bjoerc guckte die beiden Frauen lachend an, als er zuletzt in die Mitte des Futons ging. „Ehrlich gesagt, das habe ich mir schon immer gewünscht.“
Bevor die drei eine kleine Pause machten, bedankten sie sich herzlich beim Großen Geist, bei Shiva und Shakti, bei Osho, bei Sunyata Saraswati und Bodhi Avinasha und bei allen Musikern. Bald darauf gaben sie sich gemeinsam der großen Wollust hin.
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Deva Pramal – Gate Gate (Love is Space)
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Santana – Jingo
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