Welche Erfahrungen hast Du mit Deinen Schülern im „Schreibatelier“ gesammelt?
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Liebe C.
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Ein Beispiel, das für alle Menschen gilt, die sich eingelassen haben auf einen Prozess, der weitaus mehr als technisches Schreiben, als „Schreiben für den weltlichen Erfolg“ bedeutet. Schreiben ist Liebe, zu sich, zu anderen Menschen; in der Situation des Erlebens, dann in der Situation des Erzählens, später des Schreibens; in der Regel für den Erlebenden nicht immer als Liebe erkennbar. Der Schreibprozess im Schreibatelier fördert den Erzählfluss, schwemmt Blockaden hinweg, löst Identifizierungen, beschleunigt den inneren Transformationsprozess, bündelt die kreativen Kräfte, nutzt Stilelemente, mündet in Kurzgeschichten, die es in sich haben.
Voriges Jahr in Hannoversch-Münden im Januar. Rosen, Kerzen, Musik; jedoch keine Routine. Diesmal bin ich mutiger geworden, führe die Menschen in der Kreisvolkshochschule in einen Schreibprozess ein, der einzigartig ist. Die Stationen umfassen Annäherung an das eigene Thema, Ausdruckstanz, Einfühlen, Verinnelichen, Transponieren der fünf Elemente, Raum zum Erzählen, Schreibarbeit, Reflexion, Lesung. Einfließend: Das Wissen um Kontakt und Kommunikationsgesetze. Die Ähnlichkeiten zu Gabriele L. Rico sind auf der wissenschaftlichen Ebene; die Praxis, die Methodik und die Didaktik unterscheiden sich enorm.
Die Teilnehmerin, an die ich denke, sagte im Verlauf des Workshops, dass sie schon, als sie in den Raum hineinkam, eigentlich schon vorher, durch einen Traum wusste, dass sie in meinem Kurs vollkommen richtig war und dass es sich um „unsere“ Arbeit drehte. Sie hatte innerlich das Gefühl, die Ahnung, die Bestimmtheit – alles gleichzeitig – dass sie in mir „ihren“ Meister gefunden habe – fürs Schreiben.
Sie hat sich fließen lassen, ohne Widerstände zu meiner Person. Andere Menschen überzeuge ich, durch die Kraft meines Auftretens, durch mein Engagement, durch das Vertrauen, das ich ihnen gegenüberbringe, durch meine Erfahrung als Journalist, durch mein Wissen. Wenige entscheiden sich, den Kurs nicht mitzumachen. Das ist auch von mir gewollt, weil ich nur dann mit Menschen arbeiten kann, wenn sie offen sind; mir gegenüber, sich selbst gegenüber, dem Leben gegenüber.
Die Menschen, die äußerst skeptisch sind und dableiben, haben die Schwierigkeit, mental, wissenschaftlich alles im Detail erklärt haben zu wollen, können schlecht in den rechten Gehirnmodus umschalten. Meine ganze Arbeit hilft ihnen – und allen anderen – den Kick zu finden, wenn sie springen, sich ein wenig Mühe geben, zu springen. Manche überzeuge ich erst im letzten Moment, wenn es aus ihnen herausfließt, manche, die durchgehalten haben und literarisch „getextet“ haben, können die Qualität ihrer Arbeit nicht fassen, nicht erfassen, bleiben weiterhin skeptisch, weil das Hirngespinst der Schreibtechnokraten sie ziemlich fest im Griff hat. „Technik, Technik, Technik“, schreit, schreibt Wolf Schneider, Jahrgang 1925 und organisiert sich seine treue Leserschaft über seinen Tod hinaus.
Gabriele L. Rico weiß um ihren Weg, vertraut diesem und dem Potenzial ihrer SchülerInnen. Immer wieder ist sie auf das Phänomen der literarischen Qualität gestossen, die sie mit den alten Methoden kaum oder nur sehr mühsam erzielen konnte. Ehemals: Langeweile der SchülerInnen, Absacken der Leistungen, Frontalunterricht, Meisterschaft des Bosses, Versagensängste der Schüler.
Der andere Weg widerspiegelt sich im Verhalten der Schülerinnen. „Meine“ Schreibenden finden „ihr“ Thema; kein vorgegebenes. ES arbeitet in ihnen, und ich nutze das Wissen um die seelische Kraft, die sich in uns, im einzelnen ausdrücken will. Didaktische Arbeit auf verschiedenen Level; immer wieder einfach werden, immer wieder fühlen, wo der Einzelne steht.
Die gute Frau, an die ich denke, hat sich angenommen gefühlt. Deswegen konnte sie eine ziemlich „abgedrehte“ Begebenheit erzählen, wie sie ihren Mann kennengelernt hat. Sie wußte um den Schutz ihrer Intimsphäre; und gerade deshalb konnte sie Vertrautes, Intimes unbekannten Menschen erzählen, und zwar so, dass Du von Anfang an bis zum Ende gefesselt zuhörst.
Jetzt habe ich Dir etwas geschrieben; die Beschreibung einer Schale einer Schreibzwiebel, bunt, schillernd, noch nicht genau fassbar. Du schälst, und dann kommt die nächste Schale. Nämlich dann, wenn Du mir etwas von Dir erzählst und Fragen stellst, die Dich konkret betreffen.
Ich freue mich auf Dich
Liebe Grüße
Burcado Ajad
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PS
Was ich ganz vergessen habe zu erzählen; die älteste Teilnehmerin, weit über siebzig Jahre jung, tanzte wie eine Göttin. Ich sollte mich verbessern: Sie tanzte wild, wie eine junge Göttin.
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PS 2
In den vergangenen Jahren habe ich gerne von Wolf Schneider gelernt; lange Zeit, nachdem ich journalistisch getextet habe. Doch zuvor der eigene Werdegang; mein Weg, mein Stil, mein Leben, meine Worte. Nicht Apologet der Macht, sondern Bindeglied der Seele in das Leben.
Das, was ich an Wolf Schneider am meisten geschätzt habe, war sein aufrechter Gang; seine öffentliche Empörung gegenüber den Verbrechen des US-Imperialismus in Chile 1972.







Briefe an mich, Antworten von mir.
Diese Dokumentation enthält nicht das Persönliche des Antwortbriefs.
Da ich jeden Brief gerne ehrlich beantworte, entsteht oftmals in einem Brief so viel Lesenswertes, dass ich den „offiziellen“ Teil gerne mit vielen teilen möchte. Aus dem ersten Impuls, der spontanen Antwort entsteht über das Gefühl – viele lesen mit – der Ansporn, mehr in die Tiefe zu gehen, sich verständlicher auszudrücken.
Ich hoffe, dass diese Kommunikation interessant für alle ist und Deine Zustimmung findet.
Love
Burcado Ajad