Zum Flughafen (Fast version)
By Bjoerc Noval
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„Zum Flughafen. Aber schnell. Ich habe es eilig!“
Bjoerc schaute seinem Fahrgast in die Augen. Irgendwo, umschlungen von Business-Grau, sah er die roten Blutäderchen im Auge seines Gegenübers. Dann atmete er tief durch und sagte: „Gut.“ Der Businessmann hatte sich noch nicht angeschnallt und schon hatte sich Bjoerc in den schnellen Morgenverkehr eingefädelt. Zum ersten Mal hatte er 96 PS unter der Haube und vor sich den beliebtesten Nürburgring der Taxifahrer Bremens.
Um die Ampel in der Linksabbiegerspur am Herdentorsteinweg zu bekommen, beschleunigte er auf mehr als achtzig, steuerte, während er die Automatik manuell in den zweiten Gang runterschaltete, galant rechts neben das Fahrzeug, das auch links abbiegen wollte, zog sozusagen eine Parallelkurve zu seinem Vordermann, der durch den Trick zum Nebenmann wurde. Bjoerc sah, wie die Lackschuhe neben ihm versuchten, sein Metall durchzutreten und roch, wie der Anzug anfing zu stinken, irgendwie ängstlich.
Am Wall ruhte sich Bjoerc aus; genoss den Blick auf die grünen Anlagen und freute sich über das Kopfsteinpflaster. Sein Fahrgast hatte vergessen, dass er normales Tempo fuhr; die rechte Hand hatte immer noch den Türgriff fest umschlossen, irgendwie krampfhaft. Beim sechsten Polizeirevier konnte Bjoerc in der ausgedehnten Rechtskurve mit spürbaren Niveauunterschieden gut beschleunigen. Am Altenwall nahm er Augenmass, um sich auf die Vorfahrtstraße – knapp, aber passend, mit siebzig einzufädeln. Abbiegend auf die Wilhelm-Kaisen-Brücke stellte Bjoerc zwei Sachen fest. Erstens. Das Businesswesen war fast businessaschblond geworden. Etwas anderes hatte er nicht erwartet. Zweitens. Auf der Brücke, kurz vorm Teerhof, fuhr ein Polizeiwagen. Er beschloss, schnell mit achtzig aufzuschliessen, dann im rechten Augenblick sanft auf siebzig, dann auf sechzig herunterzugehen.
Als Bjoerc seine Geschwindigkeit dem Polizeiauto anpasste, fing der Fahrgast an, mit den Polizistinnen Kontakt aufzunehmen. Er rudelte wild mit seinen Händen, machte abstruse Lenkbewegungen und zückte sein Handy. Doch ohne Chance. Bjoerc hatte dezent das Tempo erhöht und als die netten Polizistinnen nicht aufschlossen, beschleunigte er, sodass er die Ampel am Neustadtswall bei freundlichem Gelb nahm, während das grünweiße Auto stehenblieb.
Der Endpurt ist schnell erzählt. Kontinuierlich gab Bjoerc Gas. Beim Ausscheren von der rechten in die linke Spur in Höhe des 12. Polizeireviers ein knappes gelungenes Stossstangenspiel mit dem Vordermann. 96 PS waren gegenüber den gewohnten 55 PS doch ein wenig schneller. Ein zum BMW mutierter Manta hängte sich an die schnelle Taxe, doch als Bjoerc auf der Friedrich-Ebert-Straße deutlich die 100 Kilometermarke überschritt, gab er auf. In der letzten Linkskurve befürchtete Bjoerc, dass sein Fahrgast es nicht so schnell zur Toilette schaffen könnte, gab noch mal kräftig Gas und lief dann als Sieger langsam in das Flughafengelände ein.
Sein Fahrgast verlangte eine Quittung. „Ich werde mich über Sie beschweren.“ Bjoerc nickte, drückte die Klappe des Kofferraums sanft runter und freute sich, dass er für solche Fälle den Quittungsblock eines anderen Kollegen bei sich hatte.






