Archiv für den Monat Juni 2009
Komm in Deine Kraft
Ein grauer Morgen. Ich schreie auf. Ganz still, mit der Kraft, die ich gerade noch in mir spüre. Schon wieder ist alles Grau in Grau. Während ich die Augen nicht zu öffnen brauche, sehe ich das Grauen. Ich höre die Stimmen der faschistischen Kriegsminister, ich fühle, wie die imperialistischen Räuberheere Krieg gegen die Völker und Lebewesen dieser Welt führen, ich spüre den kalten deutschen Wind, der durch die kranken Linden weht. Der Gesang einer Amsel berührt für kurze Zeit mein Herz.
Während die Spatzen tschilpen, erinnere ich mich an das Grün der Wiesen, der Bäume und Sträucher. Das Grün ist matter geworden; mein Herz fühlt, wie sich die Frequenz des Todes unaufhörlich ausbreitet. Hummeln liegen tot auf dem Rücken, Wespen und Mücken bleiben aus, die Bienen sterben. Ich finde nicht meine Kraft. Was kann ich tun in dieser Zeit? Die Trommeln des Schamanen fordern mich beharrlich auf, alles zu tun, um in meine Kraft zu kommen.
Alles, was so klar war, habe ich 1983 aufgegeben. Ich wollte kein roter Großvater werden; ich wollte keinen Haß schüren, ich wollte keine Herzen mehr in Brand setzen. Ich ließ mich im Lebensfluß treiben, fand neue Lebendigkeit und lernte eine Sprache der Liebe. Ich hörte auf, mißtrauisch zu sein. Mein Herzschlag vertraute immer mehr dem Rhythmus der Liebe. Ich reinigte mich von alten Schmerzen, feierte tanzend meine Existenz und bekam endlich Lebenslust. Die Kinder haben mir geholfen, lebendig zu werden.
Meine Bilder, die lange Zeit schwarzweiß waren, teilten nun allen Menschen mit, daß ich voller Freude war. Ich habe mir fünfundzwanzig Jahre geschenkt, um in Liebe sein zu können. Und nun weiß ich nicht mehr weiter. Meine Handwerkszeuge sind erstklassig; ich kann nicht umhin, die marxistische Analyse zu wertschätzen, ich weiß, wer Hitler zur Macht verhalf. Während ich zu lieben lernte, festigte die alte Elite ihre Macht, fand neue Verbündete und arbeitete intensiver denn je an ihren verbrecherischen Zielen.
Ich hätte mich schon früher drum kümmern können, weil ich es schon früher wußte. Damals, als ich über den Bosnienkrieg schrieb. Mein Herz war verzweifelt, als ich sah, daß der US-Imperialismus zusammen mit den Kriegsverbrechern der BRD Bomben auf Menschen warf, die ganz in unserer Nähe wohnten. Ich habe nicht weggeguckt und dennoch habe ich nicht richtig hingeschaut. Ich war nicht konsequent ehrlich zu mir; ich habe mir meine Angst und meine Ohnmacht nicht eingestanden.
Als die Grünen grau wurden, habe ich gewußt, daß Joschka Fischer und Jürgen Trittin ihre Macht mißbrauchten. Doch ich habe mich nicht weiter darum gekümmert. Meine Freunde im Wendland habe ich nicht besucht, weil sie in all ihrer Verzweiflung militant geworden waren; auch, wenn ihnen scheinbar nichts anderes übrig blieb, um zumindest deutlich NEIN zu sagen. Ich konnte nicht länger über Gorleben schreiben, weil ich keinen gewaltlosen Weg sah.
Es galt, Nischen zu finden, um nicht Teil der Herrschenden zu werden. Der kommunistische Sozialpädagoge fand 1983 keine Arbeit, weil er radikal war. Der Journalist konnte nur solange Journalist sein, wie er meine Ideale nicht verriet. Der Fotograf wählte sich sein Umfeld aus. Immer, wenn es nicht mehr ging – und ich habe viele Wege ausprobiert – habe ich es vorgezogen, mein Geld auf der Taxe zu verdienen. Das war ehrliche Arbeit. Ich habe keine Ambitionen gehabt, mit Lügen und mit Macht Geld zu verdienen.
Wenn ich sterbe, so glaube ich, muß ich mein Leben nicht in Frage stellen. Es ist richtig gewesen, den sogenannten Klassenhaß aufzugeben. Ich habe es geschafft, meine Alkoholkrankheit und meine Zigarettensucht zu überwinden. Weil ich den aufrechten Gang und die Liebe liebe, weiß ich, daß jetzt eine neue Zeit beginnt. Ich sehe keinen Weg, noch nicht. Und doch stelle ich mir die Frage: „Können marxistisches Bewußtsein und Liebe einen neuen Weg kreieren?“ Der Glaubenssatz, daß Du die Welt nicht verändern könnest, stammt nicht von mir. Doch wozu lebe ich denn sonst auf Mutter Erde?
Ps
Ein Wunder ist geschehen. Indem ich schreibe – indem ich die Wahrheit schreibe – komme ich in meine Kraft.
Freiwilliges Karma?
Ich habe viele Geschichten gelesen, die von außerirdischen Wesen erzählen. Und wenn ich alles richtig verstanden habe, so gibt es Wesen, die gut zu den Lebewesen auf dem Planeten Erde sind und es gibt Wesen, die fürchterlich sind. Da die Kräfte der Außerirdischen immens zu sein scheinen, bekamen sie, so reime ich es mir zusammen, die Bezeichnung Götter. Doch diese Bezeichnung ist wohl unabhängig von dem charakterlichen Wesen; es scheint nur etwas mitzuteilen über die Faszination der starken Kräfte von außerirdischen Wesen.
Wenn es tatsächlich Außerirdische geben sollte – irgendwie scheint mir die Grundtheorie, seit dem ich Erich von Däniken gelesen habe, sehr plausibel zu sein – welche Kräfte haben die Guten und welche Kräfte haben die Bösen? Ich denke darüber nach, weil ich zur Zeit die Kräfte des Faschismus deutlich wahrnehme, denn das Leben ist zur Hölle geworden. Das zu sehen ist die Grundlage, um nach wirklichen Lösungen zu suchen. Vorbei ist die Zeit der langen spirituellen Suche, nicht der spirituellen Arbeit, weil ich den Zugang zur Liebe gefunden habe. Vorbei ist die Zeit der Unsicherheit, in der ich geahnt habe, daß in der spirituellen Szene Faschisten ihr Unwesen treiben, daß faschistoide Gedanken getarnt Einfluß nehmen auf Menschen, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind.
Ist es wirklich Karma, arm zu sein und ausgebeutet zu werden? Daran glaube ich nicht. Haben sich die Juden freiwillig ihre Rolle ausgesucht, in der sie während des Faschismus grausam ermordet worden sind? Das halte ich für eine Verhöhnung aller jüdischen Menschen, unabhängig davon, ob sie tot oder lebendig sind. Ist es wirklich Karma, in Afrika an Hunger sterben zu müssen? Das glaube ich auch nicht. Oder ist es Karma, den Tod durch amerikanische oder deutsche Waffen zu finden? Sicherlich auch nicht.
Es kann nicht meine Seele sein, die angeblich freiwillig in dieser Hölle leiden will. Es ist eine Lüge, daß die Menschen des schwarzen Kontinents sich ihr Schicksal freiwillig ausgesucht haben. Und ebenso ist es eine Lüge, dass die meisten Staatsmänner redliche Aufgaben übernommen haben, um für ein besseres Leben auf Erden zu sorgen. Und warum sollte ein Hitler in den Himmel kommen, wenn es keinen Gott und keinen Himmel gibt? Wer will uns mit diesen absurden Gedanken blenden und von den eigentlichen Verbrechen und Verbrechern ablenken?
Ich selbst lebe in Liebe – so gut ich es in diesen Zeiten kann. Und doch spüre ich, daß ich nicht umhin komme, meine Augen zu öffnen, um Roß und Reiter in der jetzigen Zeit zu erkennen und zu benennen. Ich kann, wenn ich will, sogar Menschen lieben oder lieb gewinnen, die voller Wut, Zorn und Hass sind, wenn sie ihre Ohnmacht gegenüber dem alltäglichen Terror fühlen. Doch ich habe kein Verständnis für Faschisten, Rassisten und Kriegsverbrecher. Ich spüre in mir nicht einmal den geringsten Wunsch, sie zu lieben. Ich wünsche mir in Frieden mit allen Lebewesen auf diesem Planeten zu leben. Und weil ich seit Wochen und Monaten keine Lösungen für meinen Herzenswunsch finde, bitte ich mein Höheres Selbst um die Kraft, meine Verzweiflung überwinden zu können und um die Weisheit, einen gangbaren Weg für den Frieden erarbeiten zu können.