Ohne Angst

Ist die Angst erst überwunden, kommen die Fragen von alleine. Fast von alleine, wenn Du anfängst, Deiner Intuition zu folgen. Wenn Du Deine Augen aufmachst; nicht nur die Augen, die mit dem Denken verbunden sind, sondern die Augen, die Dein Herz sehen lassen. Dann sehen die denkenden und mitfühlenden Augen die Welt mit anderen Augen.

Ist erst die Angst überwunden, stellst Du Dir selbst die Fragen, die wirkliche Fragen sind – kein intellektuelles Geplänkel, das verschleiert – und machst Dich auf den Weg. Wenn Du in Deiner Mitte bist, verfolgst Du aufmerksam viele mögliche Antworten. Die Antworten befinden sich manchmal auf dem dünnen Scheideweg zwischen Liebe und Menschenfeindlichkeit.

Die Mörder sind unter uns; sie tarnen sich, sie lügen und sie verbreiten Angst – verkleidet als Politiker, als Kirchenmänner, als Religionsoberhäupter, verkleidet auch als Wissenschaftler oder als Esoteriker. Wir erkennen sie an ihrer Rigidität, an ihrer Kälte, an ihrer unermeßlichen Grausamkeit im Denken und im Handeln.

Mögen sie ihre Organisationen Bilderberger oder Club of Rome nennen – sie nutzen viele Namen -; Du wirst sie erkennen, wenn Du achtsam bist.

Wenn Du keine Angst mehr hast vor dem Tod, was hast Du dann noch zu verlieren? Mach Dich auf den Weg. Auf den Weg, der Liebe und Freiheit bedeutet.

Vielleicht warten am Ende des Weges die Blumen des Partisanen auf uns.

Wir werden sehen.

Love

Burcado

Wir hatten soviel zu tun

Den Anspruch, „dass Kunst die Kraft haben muss, das Leben zu verändern,“ hatte Peter Weiss bereits 1965 in dem als „Auschwitz-Oratorium“ bezeichneten Werk Die Ermittlung einzulösen versucht, das den ersten Frankfurter Auschwitzprozess von 1963-65 mit den Mitteln des dokumentarischen Theaters thematisierte.

In elf Gesängen ließ der Autor die faktenreichen Aussagen der anonymen Zeugen gegen die der namentlich genannten Angeklagten und ehemaligen SS-Aufseher stehen. Weiss stellte die Aussagen von Tätern, Zeugen und Richtern einander so gegenüber, dass die Widersprüche in den Aussagen der Täter aufgedeckt wurden. Gleichzeitig klärten die Zeugen den Zuschauer über die Gräueltaten im Konzentrationslager auf.

Wikipedia

Internetrecherche. Die Themen Faschismus und Entnazifizierung beschäftigen mich weiterhin. Ich konzentriere mich auf die Region Göttingen, konfrontiere mich mit Arbeiten über das KZ Moringen und über die Rolle der Physik in Göttingen.

Ich beschränke mich auf eine Sichtungsarbeit; die Dokumente umfassen jeweils 50 bis mehr als 600 Seiten. Zwischendurch ein Erkunden von Namen oder sogenannten Querverweisen. Es ist ein abstraktes Arbeiten; es kommt mir so unnatürlich vor. Und doch will ich etwas wissen. Ich will etwas über DAS wissen, was mir konsequent verheimlicht worden ist.

Die heutige Arbeit will verdaut werden; zu viele Aspekte sind enthalten, die ich zwar deuten kann, jedoch Gesprächspartner benötige.  Aus meiner friesischen Heimat erfahre ich am Rande, daß Straßennamen nach alten Nazis benannt worden sind. Die Ergebnisse sind äußerst mager; so als ob eine Glocke über braune Zeiten liegt. Es bleibt mir nicht erspart, persönliche Gespräche zu führen, um Licht in meine  Kindheit und Jugend zu bringen.

Schließlich führt mich das intuitive Arbeiten auf die Seiten von analyse & kritik – zeitung für linke debatte und praxis. Im Inhaltsverzeichnis für die jüngste Printausgabe finde ich einen Hinweis auf das Theaterstück DIE ERMITTLUNG von Peter Weiss. 1965 ist das Stück verfilmt worden. Die Eingangsszenen sind beeindruckend; Grund genug, den Film anschauen zu wollen. Wie sagte ein Angeklagter des Auschwitzprozess auf der Bühne in der Rolle als ehemaliger Fahrdienstleiter der Transporte nach Auschwitz:  “Wir hatten soviel zu tun, daß wir uns um solche Dinge (um menschliches Interesse, was passierte; d.A.) nicht kümmern konnten.“  Zu Prozessbeginn hielt er eine leitende Stellung in der Direktion der Bundesbahn inne.

Doch schau selbst, wie die Nazis sich inszenierten. Genau das inszenierte Peter Weiss.

PS

Die Ermittlung: Oratorium in 11 Gesängen. Mit einer DVD des Fernsehspiels. Suhrkamp. 19,68 Euro.