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FRIEDENSVERTRAG

Autor: Alexej Sesterheim

Die meisten Erwachsenen leben im Krieg mit den Kindern. Deshalb lege ich, Alexej Sesterheim, Ihnen diesen hieb- und stichfesten FRIEDENSVERTRAG vor. Seine strikte Einhaltung wird Ihr Leben retten oder unendlich bereichern. Beim ersten Lesen werden viele sich aber überfordert oder unwillig fühlen. Mir ging das ähnlich, als ich zum ersten Mal die goldenen Worte „Das Kind ist immer unschuldig“ von Alice Miller las.

Solche Botschaften sind für die meisten von uns zunächst nicht „Frohe“ sondern „Drohe-Botschaften“: „Tanzen mir denn dann die Kinder nicht auf der Nase herum? Ich kann mir doch nicht alles gefallen lassen! Das Kind braucht Grenzen, Konsequenzen, sonst wird es verludert und verlottert, verwöhnt oder gar zum Verbrecher.“

Das genaue Gegenteil ist wahr: Wer fröhliche Kinder wie zukünftige Verbrecher ansieht, der bringt sie allein durch seine Gedanken schon auf eine schiefe Bahn. Wir alle kennen die ätzende suggestive Kraft von negativen Gedanken, Worten und Mahnungen. Die unschuldigen Kinder werden mit ihnen er-zogen; dazu erleiden sie tägliche Bestechung und Erpressung durch Belohnung und Strafe in Elternhaus und Schule. Auch in diesem Krieg gegen die wehrloseste Minderheit, die Kinder, wird gelogen, dass einmal keinmal sei und Friede durch Druck komme.

„Der Erwachsene braucht Grenzen.“
Alice Miller

Eltern und Lehrer waren auch einmal unschuldige Kinder. Mit ihrem diktatorischen Verhalten appellieren sie unbewusst an ihre Umwelt – an uns(!): „Schaut her, als Kind habe ich eine solche Gehirnwäsche erlitten, dass ich heute Gehorsam, Erniedrigung und Zufügung von Schmerz bei den Wehrlosesten der Gesellschaft für einen Segen ansehe.“

Alle – Täter wie Opfer – sind Verlierer im Irr-System des Erziehens. Wer fünf bis fünfzig Mal am Tag fünfzehn prägende Jahre lang von den Menschen, die einem die liebsten hätten sein sollen, bedeutet bekam, wie dumm, unzuverlässig und schlecht er oder sie sei, der/die trägt als Folge Angst, Wut und ein negatives Bild von sich selbst, vom Menschen und der Freiheit in sich.

Wir sehen hier, wie wichtig ein positives Menschenbild ist. Ohne die Klärung der Frage, ob denn Kinder wirklich „unschuldig“ sind, müssen Eltern und Lehrer weiterhin die Anwendung von Erpressung, Belohnung und Strafe gegen Kinder als heilige Pflicht ansehen.

Beim Ansprechen dieser Fragen werden die intensivsten Gefühle aktiviert, die wir Menschen kennen. Diese Gefühle sind überlebenswichtige Signale und dürfen nicht unterdrückt werden. Doch erst wenn Sie erkennen, dass Ihre weiße Wut auf Kinder oder auf einen ihrer „lästigen“ Fürsprecher wie mich unmöglich vom Kostbarsten, das Ihnen anvertraut ist, herrühren kann – stattdessen Ihnen wie ein Zwang von Ihrer eigenen Erziehung anhaftet, sind Sie fähig, diesen Vertrag zu unterschreiben.

Manch einem sagt es noch sein Herz, dass es keine schrecklichere Verfehlung geben kann, als ein Kind zu strafen. Setzen wir aber doch auch ruhig unsere Gabe des logischen Denkens und unsere Geschichtskenntnis ein:

Wie und wann verfiel die gesamte europäische Kultur den finster-kinderfeindlichen Glaubenssätzen, nach denen sie mehrheitlich bis heute handelt? Die Beispiele vielfältiger Stammeskulturen wie auch löbliche Ausnahmen bei uns selber zeigen, daß Eltern und Lehrer nicht von Natur aus Kinderfeinde und Dompteure sind. Wann jedoch wurden sie in unserer Vergangenheit dazu gemacht, verführt oder gezwungen?

Im Jahre 1984 enthüllte das Buch Die Vernichtung der Weisen Frauen die Lösung dieses Rätsels: In den ersten vier Jahrhunderten der Neuzeit wurden die „Hexen“ verfolgt und mit ihnen in Europa das uralte Wissen um Geburtenkontrolle gezielt ausgerottet. Nacht fiel über unseren Kontinent! Einigkeit und Liebe und Freiheit zwischen Mann und Frau und (gegebenenfalls) Kind wurden zutiefst gestört – bis heute!

Die eheliche Zucht-Pflicht wurde eingeführt und jede freie Genuss-Sexualität als „Un-Zucht“ bei Todesstrafe oder Höllenpein verboten. So kam die europäische Bevölkerungsexplosion – was immer kostbarstes Geschenk gewesen war, wurde nun zu Massen unerwünschter „Plagen“. Eltern konnten Kindern meist keine Zukunft mehr bieten. Es brauchte nur wenige Generationen von Predigern, um überkonfessionell Erziehen und Schulpflicht – bis hin zum vorsätzlichen Töten – den zu Zwangseltern Erniedrigten als „not-wendig“, „gottgewollt“ und „zum Besten des Kindes“ anzudienen. Martin Luther: „Ich will lieber einen toten Sohn haben als einen ungezogenen.“

Wenn wir Erwachsenen uns er-innern, wie wir selber zu Opfern des Erziehens gemacht wurden, können wir aufhören, Täter zu sein. Dann wird es zu unserem ersten und heiligsten Anliegen, RESPEKT vor KINDERN bedingungslos zu praktizieren. Voraussetzung dazu ist, daß wir die Lüge und Gewalt im pessimistischen Menschenbild erkennen und fühlen, welches Leid dieser Zerrspiegel in erster Linie auf uns selber, aber auch auf die Kinder, auf die ganze Menschheit und Schöpfung gebracht hat und bis heute bringt.

„Wer den Geist verachtet, beruft sich aufs Blut.“
Heinrich Mann

Erziehung ist immer eine Rechtfertigung für Erniedrigung oder Gewalt, sozusagen ein Ermächtigungsgesetz in der Familie. Ein Herodes, der sich von liebens-würdigen Kindern bedroht fühlt, wird erst recht erwachsene Mitmenschen bis aufs Blut verfolgen, da diese ja um Dimensionen stärkere Machtmittel zur Verfügung haben als die unschuldigen Kinder von Bethlehem und Berlin. Das richtet sich sogar gegen den Liebespartner, gegen ganze Nationen und die Welt.

1 + 1 = 2

Wir können uns noch so für Frieden oder die Umwelt einsetzen – wenn wir auch nur einen Hauch von Strenge gegen Kinder in uns zulassen, unterstützen wir genau den Ungeist, der global zu immer mehr Einsamkeit, Geldgier und Zerstörung führt. Wer gegen Kinder Buhmann spielt – welche Mächte unterstützt der erst blind, wenn es um Erwachsene geht? Die schneidende Todesangst, mit der die „größten Führer“ und all ihre Folger den Eigensinn, das Gewissen, den Geist einer Sophie Scholl zu brechen hoffen, malt uns das Bild der von ihnen selber erlittenen Terrorerziehung und ihrer Langzeitwirkung.

Da Denken zur Steuerung der Gesellschaft notwendig ist, der Er-Zieher aber die falsche Größe der Gewalt auf den Thron hebt, der allein der geistigen Größe gebührt, treibt diese Gesellschaft genauso hirnlos wie machtbesessen und zwangsläufig in die Zerstörung und den Abgrund.

„Es gibt weder große Entdeckungen noch wahren Fortschritt, solange noch ein unglückliches Kind auf der Welt ist.“ Diese Bemerkung von Albert Einstein ist bei näherem Hinschauen eine dringende und todernste Warnung.

Werden Sie Erforscher des Friedens mit Kindern, bilden Sie sich selbst ein Urteil über all die Vorteile dieses Friedens und ob er etwa einen einzigen Nachteil birgt. Ächten Sie die Diktate der Hexenverfolger. Unterschreiben Sie HOHE ACHT vor KINDERN als Ausdruck Ihres Entschlusses – natürlich nur, wenn Frieden Sie überzeugt. Diesmal können Sie aus eigenem Willen statt auf Befehl menschlich sein.

„Niemals Gewalt“
Astrid Lindgren

Wenn Sie wieder ein zuverlässiger Vater, eine echte Mutter sind, die ihr Kind nicht fallen lassen, ihm keine Vorwürfe machen, wenn es in Schwierigkeiten ist, dann werden weder das Kind noch Sie selber endlos von Alp- und Fallträumen geplagt. Diese „Friedens-Grenze“ für Erwachsene ist das offene Tor zum Himmelreich auf Erden, aber eine Kette für die Diktatur.

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