Ich liebe das Fahrradfahren. Für eine Großstadt ist meine Heimatstadt Bremen fast ein Radfahrerparadies. Wohnt man beispielsweise am Dobben in der Nähe der Innenstadt, stehen einem viele Möglichkeiten offen in die Natur zu radeln, ohne dass man nach kurzer Zeit von den Autoabgasen vergiftet wird.

Die Ausflugsziele sind mannigfaltig. Mit ein wenig Kondition und viel Vorfreude auf die eine und auf die andere Freundschaft fährt man an einem Tag ohne große Schwierigkeiten an die Nordsee. Das ist mir innerhalb von zwanzig Jahren einmal passiert. Da gibt es die kurze Strecke mit sechzig Kilometern bis nach Bremerhaven oder die etwas längere Strecke bis nach Wilhelmshaven mit gut hundert Kilometern. Bei der ersten Strecke tut abends der Po etwas weh, weil der ungeübte Radler auf des Profis Rat namens Vaseline oder Melkerfett verzichtet hat. Die andere Tour wird vorsichtshalber gleich mit einer Übernachtung bei Freunden in Elsfleth an der Weser kombiniert. Man könnte ja, man muss aber nicht…

Viel, viel interessanter sind die nahe gelegen Ziele. Natürlich ist hier nicht die Stammkneipe um die Ecke gemeint, denn dort ist mir schon mein erster und letzter Sattel mit einem Markennamen geklaut worden. Die wirklich nahen und in der Natur gelegenen Ziele liegen vielleicht nur fünf oder acht oder vierzehn Kilometer vom Zentrum der Hansestadt entfernt. Die Ziele werden durch zwei Hauptkomponenten definiert. Es handelt sich in der Regel um ein Ausflugslokal, in dem Weizenbier ausgeschenkt wird und in dem der Koch in der Lage sein sollte, Bratkartoffeln anstelle angebrannter Kartoffeln zu machen. Als zweites wünscht sich das Auge des Städters etwas zum Anschauen. Einen wunderbaren Fluss wie die Wümme beispielsweise.

Ist man ein wenig kunstinteressiert, so fährt man an einem Vormittag nach Worpswede und bestaunt im gleichnamigen Café, in der Großen Kunstschau und in den Parkanlagen die Werke des Bildhauers und Architekten Bernhard Hoetger. Oder man radelt zum Barkenhoff Heinrich Vogelers und entdeckt dort die Schaffenswelt und spannende Biographie des Jugendstilkünstlers. Ein paar Kilometer weiter gibt es in Neu-Helgoland an der Hamme wirklich leckere Bratkartoffeln…

Der Bremer Fahrradfahrer hat naturgemäß nicht viele Feinde. Die Spaziergänger im Bremer Blockland sind allerdings arm dran. Sie werden gleich durch vier Gattungen gefährdet: an erster Stelle steht hier der supersportliche Radfahrer, der grundsätzlich nicht ausweichen will; an zweiter Stelle der nicht mehr ausweichfähige und angebrannte Kartoffel gegessen habene Radfahrer, der seinen darauffolgenden Frust mit zwei nicht eingeplanten Weizenbieren verdünnte, drittens durch Inlineskater mit und ohne Handys sowie viertens durch autofahrende Handyhalter.

In Bremens „Umzu“, so nennen wir hier das Umland, ist das Fahrradfahren eine reine Freizeitbeschäftigung. Alles, was man braucht, ist gute Laune, ein funktionsfähiges Fahrrad und eine Luftpumpe. Selbst die könnte man sich noch bei einem der vielen Tausenden, die hier im Sommer unterwegs sind, ausborgen. Was man bei uns nicht benötigt, ist eine Gangschaltung mit mehr als drei Gängen. Alles weitere wäre purer Luxus.

Björc Noval

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