Löwenportal P1020071_bearbeitet-2.

Der Hauch des Todes

von BURCADO NOWAK

.

Die erste Empfindung des Gefangenen, als er sich im Freien befunden, war Freude gewesen. Freie Luft ist fast soviel wie Freiheit; er atmete sie mit vollen Zügen.
:

Alexandre Dumas

.

Schreiben ist Widerstand. Also schreibe ich. Gestern konnte ich die Vorgehensweise der Chemtrail-Faschisten genauer erkennen. Am Ortsrand von Gross Schneen sah ich eine Abfolge ungewöhnlicher Wolkenbildungen, die auf Chemtrails hinwiesen. Im fünften oder sechsten Jahr der giftigen Sprühaktionen habe ich gelernt, künstliche Wolkenformationen von natürlichen Wolken zu unterscheiden. Auffällig ist an diesem Abend das breit angelegte Wolkenband, das an einigen Stellen diagonal geradlinig ist und einen künstlichen Parallelverlauf von blaugrauweißen Tönen aufweist. An einigen Stellen noch offener Himmel mit deutlichen Spuren von lang gezogenen weißen Chemtrailpilzen. Im Südwesten ein Himmel in Arbeit, eklige Muster vor einem noch wahrnehmbaren Blau, die sich im Verlauf der nächsten Stunden zu einer hässlichen grauweißen Formation entwickeln werden.

Dann Göttingen. Mein geliebter Himmel ist an vielen Stellen – voller schmutziger Flächen – nicht mehr erkennbar in seiner eigentlichen Schönheit, die er früher sogar an bewölkten oder regnerischen Tagen gehabt hatte. Immer war ein Himmel in unseren Breitengraden schön. Es gab für mich als Ostfriesen kein schlechtes Wetter noch unschöne Wolken. Ich liebte die Vielfalt des Wetters, ich liebte die Vielfalt dessen, was am Himmel zu sehen war. Ich liebte die Abwechslung.

Hinter dem giftigen Grauschleiernetz zweifelsohne die Sonne. Ich werde zum Beobachter, bin weder ohnmächtig ob meiner Gefühle, bin weder hasserfüllt angesichts des Verbrechens, das sich vor meinen Augen und über mir abspielt, noch kommen andere negative Gefühle auf. Oder erlaube ich mir diese Gefühle nicht mehr? Verständlich wären sie allemal.

Über der kleinen südniedersächsischen Stadt ist der Himmel weitgehend eingesprüht und elektromagnetisch ausgerichtet worden. Nur am unteren Ende, kurz über dem Horizont, ein blauer Himmelsstreifen, aus dem sich immer wieder einige Chemtrailpilzstreifen abheben. „Früher habe ich Thriller gelesen, heute brauche ich nur ein paar Stunden Chemtrailhorror, um dem Hauch des Todes nahe zu sein.“ Dieser Gedanke, hundertneunundzwanzig Zeichen umfassend, ist genial für Twitter. Mein Twitterslogan ist jedoch nur ein schwaches Abbild der Realität, die mich in den malerischen Straßen der alten Fachwerkhäuser umhüllt.

Auf dem Rathausplatz eine surrealistische Begebenheit. Ein Event der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst verselbständigt sich in meiner Fantasie zu einem Szenario gegen Chemtrails. Die Göttinger Innenstadt ist nur noch passierbar, wenn sie mit Hilfe von Zeltplanen überdacht wird. Zwei weiße Zelte mit einem schweren Metallstativ symbolisieren das neue Absurdistan.

Während ich fotografiere, atme ich bewusst ein und aus, bleibe in meiner Mitte, arbeite intensiv am Bild und habe keine Zeit, Ängste aufkommen zu lassen. Das Surreale erinnert mich an John Carpenters „Nebel des Grauens“. Die Szenerie hat nur einen kleinen Unterschied. Diesmal sitze ich nicht vor der Flimmerkiste, jetzt bin ich Bestandteil des Films. Das Fehlen der angsteinflössenden Musik fällt auf. Doch wozu noch Musik?

Zwischendurch stelle ich mir die Frage, die ich mir schon seit langem immer wieder stelle. „Ist es für den sogenannten Stadtmenschen wirklich so schwierig, Chemtrails wahrzunehmen?“ Ein fotografisches Experiment an einer Straßenkreuzung verdeutlicht, dass der Himmel kaum sichtbar ist, wenn Du von Geschäft zu Geschäft bummelst. Erst wenn Dein Blick aufmerksam den kleinen Himmelsraum abtastet, lassen sich Unregelmäßigkeiten feststellen. Das Grauweiß versteckt sich hinter den hohen Dächern der Stadt.

Dass der Himmel über Göttingen künstlich geworden ist, dass eine tiefe künstliche Wolkendecke unter dem eigentlichen Himmel gezogen worden ist, läßt sich nur erahnen, selbst wenn Du viele Male die Verbrechen der Chemtrailsprüher beobachtet hast. Eine Stunde lang beobachte ich am ehemaligen 82er Platz, dem Standort des neuen Rathauses und des Landkreises, dass in der künstlichen Szenerie keine Veränderung stattfindet. Die Menschen, die sich meist in Autos fortbewegen, haben kein Auge für das, was über ihnen geschieht.

Untergang in Chemtrail P1020132_bearbeitet-1Die Fahrt aufs Land wird zum weiteren Schreckensbild. Ein grelles rotoranges Impressario in scharfen Übergangsschritten. Nicht einmal ein genialer Hitchcock war in der Lage, solch ein Staccato des Grauens zu entwerfen. Für den Nicht-Wissenden jedoch seit langem wieder ein Sonnenuntergang. Ein Stöhnen in Polaroidfarben. Die Schafe auf der Wiese wissen es besser. Angesichts der Himmelsverbrechen suchen sie meine Nähe. Doch ich kann ihnen leider nicht weiterhelfen.

Erleben wir seit mehreren Jahren eine neue Form des Faschismus?

Advertisements

Ein Gedanke zu “Der Hauch des Todes

  1. Lieber Burcado, die Gefühle und Gedanken, die du beschreibst sind mir erschreckend vertraut. Plötzlich weiß man ein neues Zeitalter hat begonnen. Die Zeichen sind so überdeutlich klar zu erkennen, vor allem am Himmel, und die meisten Menschen wandeln wie in Trance und erkennen nicht…
    In Fotocommunities lösen solche Chemtrailsonnenuntergänge Begeisterung aus. Selbst die die Hinsehen sehen oft nicht.
    Liebe und gute Energie für Dich
    Andrea

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s