Es gibt eine kleine Geschichte, die ich sehr liebe.

„Vor vielen Jahrhunderten wanderte jener Meister mit seinen Jüngern durch das Land. Eines Tages sahen sie die Überreste eines großen Waldes; nur ein alter Baum war stehengeblieben. Der Baum war so groß, daß in seinem Schatten mehrere hundert Menschen Platz finden konnten. Die Bäumfäller fluchten, weil sie es nicht geschafft hatten, diesen Baum zu fällen. Für sie stand fest, daß der Baum zu hart, zu knorrig und zu eigensinnig war. Nur auf diese Weise vermochte er ihren Äxten standzuhalten.

Der alte Meister meditierte und nach einer Stunde sprach er mit seinen Jüngern. „Es gibt wohl zweierlei Nutzen eines Baums. Wenn Du natürlich lebst, schenkt Dir der Baum Sauerstoff und Schatten. Wenn Du ihm einen persönlichen Wert beimisst, wird er zu einem Möbelstück gemacht oder zu Brennholz verarbeitet. Wenn es Dir gelingt, wie dieser Baum zu sein, eigensinnig und knorrig, dann wird kein anderer einen vordergründigen Nutzen an Dir finden. Folgst Du Deiner Lebensaufgabe, wirst Du eine Freude für andere Lebewesen sein. Doch kein anderer Mensch kann Dich funktionalisieren oder ausbeuten. Sei wertlos für die Habgierigen.“

Es gibt eine andere Geschichte, die ich sehr liebe, sogar weitaus mehr, weil sie von einen anderen geistigen Teife zeugt. Sie stammt von Jean Giono. Sie spielte während zwischen 1910 und 1947 in der Provence und handelte von einem alten Mann namens Elzéard Buffier, der Bäume pflanzte. Obwohl die Geschichte durch und durch erfunden war, liebte ich die Erzählung, weil sie die Liebe zu den Bäumen und die Liebe zum Pflanzen von Bäumen nährt.

Heute gibt es diese wunderbaren Wälder nicht mehr. Anstelle dessen sind dort öde Flächen und Silos von Atomraketen und Atombomben, Schießplätze und Ölreservoirs. Ich werde deswegen wütend, zornig und ohnmächtig. Seit vielen Jahren meditiere ich und doch lassen mich die Verbrechen der Multimilliardäre nicht kalt. Ich bin glücklich darüber, dass mich mein spiritueller Weg nicht blind macht. Ich fühle, wie ich von Moment zu Moment trauriger werde. Doch was soll ich nun tun?

Ich habe keine Antwort, weder für Dich noch für mich. Mein spirituelles Leben ist Liebe und all das, was ich mache, geschieht aus Liebe. Ich kann kein anderes Lebewesen töten; ich kann nur in Liebe sein. Was Du machst, obliegt Deiner Verantwortung. Liebe, meditiere; doch handele nicht aus Hass. Weil Schreiben meine Berufung ist, so schreibe ich aus dem Impuls der Liebe zu den Menschen und zu allen anderen Lebewesen. Sei von Moment zu Moment achtsam und gib der Angst in Dir keinen zu großen Raum. Eine andere Antwort kann ich Dir nicht geben.

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