In jedem Jahr öffne ich ein Zeitfenster; die Luft, die sich durch das Fenster bewegt, ist erfüllt von meinem jetzigen Leben und öffne ich das reale Fenster, so strömt frische Luft in meinen Raum. Das Datum ist ein magisches Datum, und dennoch bin ich jedesmal verwundert, überrascht und freudig erregt, daß die Erinnerung sanft in mein jetziges Leben dringt.

Ich komme nicht in Versuchung, das Fenster rasch zu schließen. Ich wandere durch die Öffnung in meine Vergangenheit, suche nach Spuren, die in mir geblieben sind. Weil ich weiß, daß das Gedächtnis alles speichert, was ich je erlebt habe, versuche ich, meine Suche lebendiger zu gestalten. In diesem Jahr habe ich mehrere Tage das Fenster zu dem Tag geöffnet, von dem ich seit heute vor achtunddreißig Jahren das Kalenderblatt in meinem Gedächtnis aufbewahre.

An dem Tag war ich sehr aufgeregt, schon früh am Morgen war mir klar, daß ich nicht umhin konnte, mein Leben zu verändern. Das hing zwar von mir ab, doch die Entscheidung lag nicht bei mir. Mein Körper war gerade siebzehn; mein Mund hatte schon öfter geküßt, liebe Münder, zarte Lippen, für einen kurzen Moment, immer wieder himmlisch und erregend zugleich. Das Leben zeigte sich in seiner schönen Seite seiner Einmaligkeit, in seiner zeitlichen Begrenztheit. Und nun wünschte ich mir mehr.

Als ich das Fenster zur Vergangenheit öffnete, sah ich die Antwort auf meine Frage, all die Orte, die wir aufsuchten, um uns vorsichtig zu nähern, intensiv die erste Fläche des Zusammenseins entdeckten. Der erste Kuss an diesem Abend war ein Geschenk, menschlich und göttlich zugleich. Die Zeit schien mir stehen geblieben zu sein. Das Gemeinsame, das wir zusammen erlebten, löste sich in jedem wieder auf, veränderte all das, was vorher war.

Die Erinnerung, die immer gerne wiederkehren darf, erzählt mir, daß dieser liebe Mensch seinen Platz in meinem Herzen gefunden hat. Auch, wenn wir schon seit langem unterschiedliche Wege gehen. Richtig ausgedrückt, so sagt mein innerer Beobachter, sollte es wohl heißen: Ich habe ihr einen Platz in meinem Herzen gegeben.

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2 Gedanken zu “Eternity

  1. Lieber Burcado,

    gerade im Netz mal wieder auf Dich gestoßen.
    Gut zu wissen, bei Dir geht es blumig zu.

    Still sitzen, nichts tun, das Gras wächst, der Frühling kommt.

  2. Lieber dj,

    Was fällt mir denn dazu ein?

    Steven Stills, Crosby, Nash & Young. 4WayStreet. Obwohl die Jungs wirklich nicht still sitzen.

    Do What You Like. Obwohl Ginger Baker wirklich nicht nichts tut.

    The Gras is Greener. So relativ gesehn stimmt das immer wieder. Einfach Colosseum.

    Valentyne Suite. Schade, daß der Valentinstag schon wieder vorbei ist. Und doch freue ich mich auf den Frühling. Aber es soll auch andere Erscheinungen geben, die da so kommen.

    Liebe Grüße
    Burcado Ajad

    PS
    Schau mal nach Göttingen im März vorbei, der Märchenerzähler feiert sein zweijähriges Jubiläum mit einem großem Festessen im Ali Baba, Geschichten und Bauchtanz mit Aladina.

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