Ich wartete geradezu sehnsüchtig darauf, von meinen Interviewpartnern aus Polizei und Staatsanwaltschaft (nicht der administrativen Führungselite) noch etwas Positives und Zuversichtliches aus ihrem Alltag im Kampf gegen Kriminalität zu hören. Doch abgesehen von den bayerischen Beamten fand ich niemanden.“

Jürgen Roth 2004

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Um ein guter Lokaljournalist sein zu können, braucht man überregionales Wissen, Zeit und Geld für eigene Recherchen, ein sehr gutes Informantennetz und eine Zeitung, die bereit ist, das eigene Material abzudrucken. Vielleicht auch: Mut, um sich in einen Fall hineinzuarbeiten; Vorstellungsvermögen, um Zusammenhänge zu erspüren; Intuition, um ein Thema in der Tiefe zu begreifen und Realitätssinn, um scheinbar unglaubliche Vorgänge nicht als Fantasie abzuwerten.

Ein guter Lehrmeister für einen angehenden Journalisten ist Jürgen Roth. Doch selbst dann, wenn man einen anderen Beruf ausübt, und sich „nur“ für Hintergründe von politischen Ereignissen oder wirtschaftlichen Vorgängen interessiert, geben die Bücher des Enthüllungsjournalisten wertvolle Hinweise auf mögliche Tätergruppen, kriminelle Interessensgemeinschaften und obskure Machenschaften. Der Bestsellerautor Jürgen Roth kennt gleichzeitig die Grenzen von publizistischer Tätigkeit; so veröffentlicht er seine Arbeiten in Buchform mit der Begründung, daß sich „komplizierte Zusammenhänge im Bereich von internationaler Kriminalität oder des Terrorismus in elektronischen Medien nicht mehr darstellen lassen – von Ausnahmen abgesehen.“ [1]

Seine Bücher habe ich in den vergangenen Jahren nicht zur Kenntnis genommen, weil ich mich nicht mit Negativem beschäftigte. Eigentlich wollte ich in diesen Tagen nur mein NEIN zum geplanten Asphaltwerk in Friedland zum Ausdruck bringen, um mich anschließend meinen Alltagsaufgaben zuzuwenden. Doch wer hätte schon gedacht, daß einer der Hauptdarsteller des jetzigen Dramas in dem Buch „Ermitteln verboten!“ von Jürgen Roth erwähnt wird. Das Buch – vom Spiegel als „düsterer Deutschunterricht“ bezeichnet – erklärt, wie und warum Kriminalitätsbekämpfung ausgebremst wird. Das Fazit zieht der Mafia-Kenner Wolfgang Hetzer:

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In gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Systemen, die durch zahlreiche Lebenslügen verklammert sind, müssen Polizei und Justiz scheitern. In einer Gesellschaft, deren Selbstverständlichkeit sich auf Gewinnmaximierung erschöpft, ist Organisierte Kriminalität mindestens latent.“

Dieses Buch solltest Du aus eigenem Antrieb lesen. Ich erwähne keine spannende Zitate und Zusammenhänge, um nicht in profanes Agit-Prop-Theater abzugleiten. Ich habe kein Interesse, Gefühle zu manipulieren. Doch ERMITTELN VERBOTEN! ist lesenswert; genaugenommen, äußerst lesenswert.

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www.juergen-roth.com

www.mafialand.de

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