Propagandabotschaften müssen stets so gestaltet sein, dass sie

a) mit den Interessen und Zielen der Propagandisten in Einklang stehen
b) durch das Mediensystem freiwillig oder auf Grund von Zwang transportiert werden können und
c) vom Publikum im Sinne der Propagandisten aufgenommen werden.

Letzteres, die Akzeptanzfähigkeit der Botschaften bei ihren Empfängern, ist in der Propagandakommunikation der zentrale Punkt, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.

Überlegungen und Spekulationen auf Seiten der Propagandisten über die vermuteten Eigenschaften des Publikums und die psychologischen Faktoren des Wirkungsprozesses stehen so im Mittelpunkt jeder Reflexion über Propaganda.

Thymian Bussemer
Psychologie der Propaganda
Homepage des Bundestags 11.2007

Beilage 4

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Manchmal stelle ich mir Fragen. In den letzten Tagen stelle ich mir eine Reihe von Fragen. Auch, wenn ich weiß, daß jede Frage einen rhetorischen Aspekt haben könnte. Die Frage, die mir heute in den Sinn kam, ist gewissermaßen eine historische Frage. Zunächst.

Nun die Frage. Warum überfiel der SS-Sturmbannführer Alfred Naujocks zusammen mit fünf oder sechs in Zivil gekleideten SS-Leuten den Sender Gleiwitz am Abend des 31. August 1939 – wenige Stunden vor Beginn des Zweiten Weltkrieges? Warum benötigte Adolf Hitler, warum benötigte der deutsche Faschismus einen Vorwand, um Polen zu überfallen, um Krieg gegen andere Völker zu führen?

Schon am 22. August 1939 soll Adolf Hitler gesagt haben:

„Ich werde propagandistischen Anlass zur Auslösung des Krieges geben, gleichgültig, ob glaubhaft. Der Sieger wird später nicht danach gefragt, ob er die Wahrheit gesagt hat oder nicht.“

Welche Aufgabe übernimmt die Lüge, welchen Zweck verfolgt der Vorwand, welche Aufgabe hat die Propaganda?

Welche Lügen benötigt ein Herrschaftssystem, um die eigenen Funktionsträger zu manipulieren? Wie werden Soldaten mobilisiert? Wie werden die Untertanen fanatisiert oder neutralisiert? Wer muß außerhalb des eigenen Herrschaftsbereichs getäuscht werden?

„Fingierte Stories,“ so reformiert-info.de – Homepage des Reformierten Bundes, „verweisen auf den kritischen Vernunftgebrauch, dessen es zur ethischen Urteilsbildung bedarf.“

Ein Herrschaftssystem ist niemals ein monolithischer Block; es ist aus meiner Sicht ein kompliziertes Gebilde und sensibler Komplex von Menschen, die durchaus nicht immer und nicht in ihrer Gesamtheit à priori negative, menschenverachtende, lebensfeindliche Ziele verfolgen. Die ideologische – oder propagandistische – Ausrichtung ist ein Teil von Gehirnwäsche, um Kriege vorbereiten und durchführen zu können. Ein Krieg setzt voraus, daß weite Teile des Herrschaftssystems systemgerecht denken und handeln. Die Menschen, die nicht mitspielen, werden offen oder versteckt unterdrückt.

Die Nazis haben nicht nur Millionen von Juden umgebracht. Die Systemgegner – Kommunisten, Sozialdemokraten, Anarchisten und Aufmüpfige – wurden eingeschüchtert, gefoltert oder ermordet. Sie besaßen das Wissen und den Mut, der Kriegspropaganda entgegen zu treten.

„Es ist leichter, über ein zurückliegendes Ereignis zu lügen, als ein aktuelles Gefühl zu kaschieren“, so der kalifornische Emotionspsychologe Paul Ekman.

Die Lügen, um über den Charakter des Faschismus hinwegzutäuschen…

…sind einfach und derb gestrickt. Dennoch war es das deutsche Großkapital, die Rüstungsindustrie um Krupp und Thyssen, die IG Farben, die Finanzmagnaten wie Abs von der Deutschen Bank, die den Faschismus an die Macht gehievt haben.

Und dann stellt sich die Frage, was passierte mit den Mächtigen nach 1945? Wo blieben die alten Nazis, als was arbeiteten sie? Fand eine Entnazifizierung wirklich statt?

Fragen über Fragen. Nicht aus propagandistischen Gründen, sondern um Klarheit zu bekommen. Um Wege zu bahnen, die ein Leben in Frieden ermöglichen.

Vorausgesetzt, wir sind in der Lage zu erkennen, wie die unkaschierte Wirklichkeit aussieht.

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