Den Anspruch, „dass Kunst die Kraft haben muss, das Leben zu verändern,“ hatte Peter Weiss bereits 1965 in dem als „Auschwitz-Oratorium“ bezeichneten Werk Die Ermittlung einzulösen versucht, das den ersten Frankfurter Auschwitzprozess von 1963-65 mit den Mitteln des dokumentarischen Theaters thematisierte.

In elf Gesängen ließ der Autor die faktenreichen Aussagen der anonymen Zeugen gegen die der namentlich genannten Angeklagten und ehemaligen SS-Aufseher stehen. Weiss stellte die Aussagen von Tätern, Zeugen und Richtern einander so gegenüber, dass die Widersprüche in den Aussagen der Täter aufgedeckt wurden. Gleichzeitig klärten die Zeugen den Zuschauer über die Gräueltaten im Konzentrationslager auf.

Wikipedia

Internetrecherche. Die Themen Faschismus und Entnazifizierung beschäftigen mich weiterhin. Ich konzentriere mich auf die Region Göttingen, konfrontiere mich mit Arbeiten über das KZ Moringen und über die Rolle der Physik in Göttingen.

Ich beschränke mich auf eine Sichtungsarbeit; die Dokumente umfassen jeweils 50 bis mehr als 600 Seiten. Zwischendurch ein Erkunden von Namen oder sogenannten Querverweisen. Es ist ein abstraktes Arbeiten; es kommt mir so unnatürlich vor. Und doch will ich etwas wissen. Ich will etwas über DAS wissen, was mir konsequent verheimlicht worden ist.

Die heutige Arbeit will verdaut werden; zu viele Aspekte sind enthalten, die ich zwar deuten kann, jedoch Gesprächspartner benötige.  Aus meiner friesischen Heimat erfahre ich am Rande, daß Straßennamen nach alten Nazis benannt worden sind. Die Ergebnisse sind äußerst mager; so als ob eine Glocke über braune Zeiten liegt. Es bleibt mir nicht erspart, persönliche Gespräche zu führen, um Licht in meine  Kindheit und Jugend zu bringen.

Schließlich führt mich das intuitive Arbeiten auf die Seiten von analyse & kritik – zeitung für linke debatte und praxis. Im Inhaltsverzeichnis für die jüngste Printausgabe finde ich einen Hinweis auf das Theaterstück DIE ERMITTLUNG von Peter Weiss. 1965 ist das Stück verfilmt worden. Die Eingangsszenen sind beeindruckend; Grund genug, den Film anschauen zu wollen. Wie sagte ein Angeklagter des Auschwitzprozess auf der Bühne in der Rolle als ehemaliger Fahrdienstleiter der Transporte nach Auschwitz:  „Wir hatten soviel zu tun, daß wir uns um solche Dinge (um menschliches Interesse, was passierte; d.A.) nicht kümmern konnten.“  Zu Prozessbeginn hielt er eine leitende Stellung in der Direktion der Bundesbahn inne.

Doch schau selbst, wie die Nazis sich inszenierten. Genau das inszenierte Peter Weiss.

PS

Die Ermittlung: Oratorium in 11 Gesängen. Mit einer DVD des Fernsehspiels. Suhrkamp. 19,68 Euro.

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