Kleiner Bär saß am Fenster. Er schaute sich den grauen Morgen an und suchte hinter all den künstlichen Wolken das Blau von Vater Himmel. Doch alles war vergeblich, nirgendwo konnte er das Himmelblau seiner Kindheit entdecken, keinen Hauch von Meeresblau und kein Schimmer von Königsblau. Alles war unendlich grau, blaßgrau, dunkelgrau, mittelgrau. Eine Kakaphonie des Grauens.

„So beschissen habe ich mir das Ende nicht vorgestellt,“ dachte sich Kleiner Bär und fing an zu weinen.

Großer Bär unterbrach seine Arbeit, umarmte Kleiner Bär und lauschte dem Herz seines Kindes. Nach einer Weile sagte er zu Kleiner Bär: „Sei nicht so traurig, Kleiner Bär. Auch das geht vorbei!“ Kleiner Bär weinte nun noch mehr. Dann hielt er inne und sagte: „Seitdem ich auf der Welt bin, kenne ich den Himmel, so wie er sein soll, nur von Hören und Sagen. Und von alten Bildern. Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Opa hat gesagt, wenn es so weiter geht, wird er diesen Winter nicht überleben.“

Großer Bär wußte, daß es mit seinem Vater, der noch gar nicht so alt war, in diesem Jahr rasant bergab ging. Brauner Bär war chemtrailkrank geworden; er hatte alle Symptome, die dazu gehörten. Der starke Mann hatte kaum noch Kraft, alleine aufzustehen oder spazierenzugehen. Auch ihm selbst ging es seit Wochen schlechter; sein Blutdruck hatte bedrohlich Ausmaße angenommen und seine Nieren schmerzten.

Die Menschen dachten, daß Teddybären ausgestopfte Plüschtiere seien, doch das stimmte nicht. Den Teddys war es durch die Liebe der Kindern gelungen, lebendig zu werden. Sie besaßen ein Herz und eine Seele; und all das, was sich in der menschlichen Familie geschah, widerspiegelte sich in der Bärenfamilie.

„Am liebsten möchte ich nicht mehr leben,“ sagte Kleiner Bär.

Großer Bär schwieg einen Moment, atmete tief durch, während er sich mit dem ganzen Universum verbindete und bat, das Große Geheimnis möge ihm die richtigen Worte schicken, um den kleinen Teddy aufzumuntern. Wenn er eine Lösung hätte, könnte er sein Kind ehrlich auf ein gutes Morgen vertrösten. Leider fiel ihm nichts ein, was die Stimmung verändern konnte.

Auf einmal dachte er an Etwas, das die Menschen benutzen, um schlechte Zeiten zu überleben. Er erinnerte sich an das Prinzip Hoffnung. Sterne funkelten auf seinem inneren Rücken, als er anfing, an eine Geschichte zu denken. Der große Teddy wußte nicht, ob er dabei war, faustdicke Lügen zu erzählen oder ob er klare Visionen hatte. Er schloß gewissenhaft die Augen, legte die Hände über Stirn und Augenhöhlen, und schaute sich seine inneren Bilder genau an, bevor er anfing, dem Kleinen Bären die Geschichte über die sirianischen Lichtkrieger zu erzählen.

***

„Weißt du, Kleiner Bär,“ sagte er, „wir haben Freunde, die da draußen irgendwo im Kosmos leben. In diesem Moment startet ein kleines Raumschiff vom Sirius B, um alle Lichtkrieger auf Mutter Erde mit Lichtnahrung, Liebe und Informationen zu versorgen. Sie kommen, um uns zu sagen, daß eine außerordentliche Versammlung der alten und der neuen Götter und Göttinnen einberufen worden ist, um darüber zu entscheiden, ob all den Lebewesen auf unserem Planeten geholfen werden darf. Die alten konservativen Götter sind der Ansicht, daß mindestens dreiviertel der Menschheit die außerirdischen Lichtstreitkräfte um Intervention bitten sollen. Die jungen und die alten Göttinnen wollen sofort die grausame Machtelite auf Mutter Erde entmachten, doch sie haben keine Mehrheit, um sich durchzusetzen. Jedenfalls im Moment nicht.

Es gibt ein altes kosmisches Gesetz, daß den Göttern verbietet, sich in das irdische Geschehen direkt einzumischen, und die Götter haben sich seit Äonen daran gehalten. Aber alle wissen, daß die Verhältnisse auf dieser Erde ungerecht, äußerst ungerecht und grausam sind. Für die Habgier einer Handvoll von Menschen werden Milliarden von Menschen geknechtet, gefoltert oder getötet. Es ist ihnen bekannt, daß die Elite ihre Macht nur mit Pfaffen, Söldnern, Geheimdiensten und Medienleuten halten kann. Um eine natürliche Entwicklung zu verhindern, nutzen sie seit Jahren künstliche Wolken, die Krankheit und Tod mit sich bringen. Sie haben eine riesengroße Mindmaschine, die sie HAARP nennen, um alle Lebewesen in Angst und Haß zu stürzen.

Allerdings sind sie damit zu weit gegangen. Die Göttinnen sind der Ansicht, daß die alten kosmischen Gesetze angesichts der neuen Situation nicht mehr gelten. Auf der einen Seite ringen sie mit den alten Göttern um eine gemeinschaftliche Lösung. Aber weil sie nicht wissen, wie lange sich die Verhandlungen und Gespräche in der Götterwelt hinziehen, haben sie einen phantastischen Plan entwickelt, um uns von dem Grauen zu befreien.“

Kleiner Bär, der schon lange aufgehört hatte zu weinen, saß im Schneidersitz vor seinem Vater. Er war sehr aufgeregt, weil er spürte, daß er in ein Geheimnis eingeweiht werden sollte, in ein Geheimnis, das eigentlich keiner erfahren sollte, bis die angedachte Wirkung für alle offenbar sein würde. Auch Großer Bär hielt inne und schloß noch einmal seine Augen, bevor er weitererzählte.

„Die Göttinnen haben mit der Hilfe einiger junger Götter einen künstlichen Planeten geschaffen; er ist ähnlich wie Mutter Erde, nur unendlich viel kleiner, so daß ein paar Tausend Menschen darauf leben können. Sie haben eine Partisanengruppe aus Lichtkriegern zusammengestellt, die schon bald die heimliche Machtelite entführen wird, um sie zu diesem Planeten zu bringen, der irgendwo in der unendlichen Weite des Kosmos versteckt ist.

Auf dem geheimen Planeten wird es keine Waffen und Maschinen geben; die Superreichen dürfen ihr gesamtes Geld behalten, das sie den Erdbewohnern seit tausenden von Jahren gestohlen haben. Das Witzige ist, daß sie mit ihrem Geld nichts anfangen können. Sie müssen von morgens bis abends arbeiten, Ackerbau, Gartenarbeit und all das, was dazu gehört. Sie müssen mit dem Steinzeitwissen von vorne anfangen, so daß sie keinen Schaden anrichten können. Die Göttinnen haben sie mit einem Bewußtseinsschleier umgeben, der ihnen es unmöglich macht, nur auf die Idee zu kommen, Tiere zu töten. Das Schlimmste, was aber sehr wahrscheinlich ist, sind Machtkämpfe unter ihnen. Das soll jedoch ihre eigene Angelegenheit sein.“

***

Großer Bär fing an zu schmunzeln, als er fühlte, was er sagte,  dann lachte er. Und er konnte nicht aufhören zu lachen, so schön war seine Vision. „Flippst du jetzt aus, Großer Bär?“ Großer Bär lachte. „Ja, ich flippe aus, vor lauter Freude, juchu, ich flippe aus, ich bin so glücklich, daß wir nicht alleine sind.“ Kleiner Bär wußte nicht genau, ob sein Papa verrückt wurde oder nicht. Als er merkte, wie schön die Geschichte war, sang er sein schönstes Lied:„Happy Birthday to you“, er sang das Lied mit den Namen all seiner Freunde und Liebsten, und das dauerte sehr lange, so groß war die Freude. Schließlich fuhr Großer Bär fort.

„Eines Tages, und das wird bald sein, werden sie, die Grauen, gemerkt haben, daß ihnen das alles nichts mehr nützt. Unsere sirianischen Freunde werden schon bald die grausamen Machthaber dieser Erde entführen und wir können endlich in Frieden leben. Opa muß nicht sterben und du und ich können uns einen Himmel anschauen, der wunderbar Blau ist. Himmelsblau, Meeresblau, Azurblau und Königsblau. Alle Wolken werden wieder weiß sein, wie es sein soll. Erst wenn die Menschen es gelernt haben, keine unnützen Gedanken zu haben, wird es auch keine Wolken mehr geben.“

Kleiner Bär hatte eine Idee: „Vielleicht gibt es dann Wolkenspiele mit lustigen Gedanken. Wir brauchen ja auch den Regen.“

Als Großer Bär fühlte, daß es seinem Sohn wieder besser ging, begab er sich flugs an den Computer, um die phantastische Geschichte aufzuschreiben. Irgendwo fühlte er sich wie Jakob der Lügner, der im Konzentrationslager dafür gesorgt hatte, daß Selbstmorde weniger wurden, weil alle Menschen wieder Hoffnung bekamen. Die Rolle eines Lügners gefiel ihm nicht, aber es war die einzige Möglichkeit, die ihm blieb, um seinen Sohn zu trösten.

Nach einer Stunde war die Geschichte fast ganz in den Computer eingegeben. Plötzlich rief Kleiner Bär: „Papa, komm ans Fenster. Ein Raumschiff ist gelandet. Die sirianischen Freunde sind da. Nun komm schon. Sie sehen so anders aus, so rund und so schillernd.“ Großer Bär atmetete drei Mal tief durch; egal was passieren würde, in dieser Zeit würde er sein Kind nicht im Stich lassen. Die erfundene Geschichte war für ihn nachrangig.

Als Großer Bär am Fenster stand, traute er seinen Augen nicht. Er sah tatsächlich ein kleines Raumschiff, das im Garten gelandet war. Kleiner Bär zeigte auf die Kugeln, die alle zum Spielplatz schwebten. Die Kugeln waren groß, mittelgroß und klein; sie ähnelten irgendwie den Kugeln, die aus Seifenblasen gemacht werden. Doch diese Wesen waren anders. Irgendwie spürten Kleiner Bär und Großer Bär das Bewußtsein der Kugeln. Und das Bewußtsein teilte ihnen mit, daß die sirianischen Guerrillas eingetroffen waren.

Copyright: Burkhardt Nowak

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3 Gedanken zu “Teddy der Lügner

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