DANAE, MIRIAM UND JANTO

2. KAPITEL

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Warum er die Kraft hatte, nach zwei Stunden Schlaf konzeptionell zu denken, verstand Janto nicht, weil es ihm vor seiner Freundschaft mit Danae anders ging, doch an diesem Morgen fühlte er sich noch frischer als sonst, er kam sich vor wie neugeboren. Die tantrischen Nächte waren ein Durchbruch zu einer unbekannten Seite seines Leben. Gerne hätte er sich mit der spirituellen Dimension hinter dem vordergründigen Geschehen beschäftigt, doch die Zeit und die Ideen drängten ihn, sich an das Notebook zu setzen, ohne Meditation, ohne Frühstück und ohne Trinken. Schon seit Wochen wartete er auf eine Inspiration für eine ausgefallene PR-Kampagne, die einen Film weltweit bekannt machen sollte, ohne dass die eigentliche Produktion begonnen hatte. Sein Auftraggeber, die „Khaju-Group Inc.“ war ein junges Unternehmen von drei Freunden, die im exklusiven Geschäft der Telekommunikation innerhalb von vierzehn Jahren steinreich geworden waren. Jetzt sollte die Geschichte eines weiteren Freundes über Khajuraho, einem tantrischen Tempel in Indien, von einem erfahrenen Team filmisch umgesetzt werden.

Die Idee war genial und einfach zugleich. Die Khaju-Group würde im ersten Schritt junge Menschen aus der ganzen Welt einladen, in Khajuraho zu meditieren. Ein Reportageteam würde das Event behutsam begleiten und das Material für Fernsehstationen, Nachrichtensender, Printmedien und für das Internet aufbereiten. Die Teilnehmer würden zunächst im „Netz“ von der Meditation in Khajuraho erfahren, dann würden sie einen Fragebogen online zu Sexualität, Freundschaft, Liebe und Spiritualität ausfüllen, um in eine engere Auswahl zu kommen, und und und. Die weiteren Modifikationen würden ihm mit der Zeit einfallen, aber die Grundidee gefiel ihm. Der finanzielle Rahmen würde sein Budget nicht überschreiten, das hatte er im Gefühl, auch wenn er die Zahlen erst später konkretisieren würde.

Kaum war er fertig mit dem Mindmapping fertig, öffnete Miriam die Tür. „Daran werde ich mich wohl gewöhnen müssen,“ dachte sich Janto, „aber ein paar Spielregeln wären nicht schlecht.“

***

„Hallo Vater,“ sagte Miriam und küsste ihn zur Begrüßung auf die Wangen, einmal links, einmal rechts und wieder links, so, wie es in Frankreich in der Familie und unter Freunden üblich ist. „Komm mal mit runter, ich habe uns etwas mitgebracht. Oder wollen wir erst frühstücken?“

„Dauert es lange?“ Janto war müde und hungrig zugleich. Bewegung würde ihn fit machen, aber ein Müsli mit Orangensaft, ein guter Kaffee, ein paar Brötchen und ein Ei würden ihm gut tun. Außerdem brauchte er Zeit, um Miriam kennenzulernen.

Während des Frühstücks erzählte Miriam ihren Plan. „Wir können viel miteinander reden, das liebe ich, Geschichten hören und Geschichten erzählen, Fragen stellen. Magst du das auch?“

Janto nickte und hörte weiter zu.

„Am liebsten würde ich die „Dynamische“ mit dir machen. Jeden Morgen. Und wenn wir keine Lust mehr auf diesen Prozess haben, machen wir abends die „Kundalini“ zusammen. Ich brauch jetzt was Deftiges.“

Janto wusste, was Miriam meinte. Sie sprach nicht von Sommersalami, Bierschinken oder Schweinebraten, auch nicht von „Ham And Eggs“, sie sprach über ihre Gefühle. Er war sich sehr gewiss, dass sich allerhand bei Miriam angestaut hat, freute sich aber, dass sie ihm nicht das Porzellan zerschlug, sondern einen weisen Weg wählte, um zu sich zu kommen.

„Und was könnte es für dich bedeuten?“

Menschen, die Gedankenlesen konnten, waren Janto vertraut, dass Miriam es auch beherrschte, irritierte ihn. „Ich lasse es an mich herankommen, schließlich bist du meine Tochter.“

„Kannst du dir vorstellen, dass du es für dich tust – und nicht wohlwollend für mich?“ Miriam schmollte. „Ich will, dass du dich deinen Gefühlen stellst. Ich habe ein Recht darauf zu erfahren, was damals passiert ist. Hast du meine Mutter vergewaltigt?“

Weiter geht es auf dem Novellen-Blog.

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