Die Person, über die ich schreiben möchte, braucht zunächst einen Namen. Es ist nicht einfach, diese Arbeit zu machen, denn jener Mensch, der nicht mehr lebt – vielleicht ein Geist ist, ein Phänomen oder nur noch eine Einbildung -, war immer ein Ego, das sich ständig über andere erheben wollte, und zwar in einer Dimension, die selbst Sigmund Freud verwundert hätte, weil ein Implantat, nennen wir es Hyper-Bewusstsein, als solches nicht in der Freudschen Betrachtungsweise vorgesehen war, auch nicht als solches existieren könnte, wenn der Adressat einer Manipulation das Über-Ich natürlich transformiert hätte.

Wenn ich dir als Freund sagen würde, dass ich ein Gott wäre, würdest du mich für spinnert halten. Damit ich dich dahin bringen kann, dass du mich anbetest, muss ich mir etwas einfallen lassen. Wenn ich von dir verlangen würde, zu mir ‚Geliebter Gott‘ zu sagen, muss ich mir noch mehr einfallen lassen. Das Wechseln der Sprachebenen war eine beliebte Taktik dieser Person; Englisch wurde zur Verkehrssprache und Sanskritbegriffe waren geeignet, Verschleierungsprozesse durch Mystifizierung optimal zu gestalten. Mister X wurde ‚Beloved Bhagwan‘.

Alles Streben dieser Person war auf Macht und Versklavung ausgerichtet. Diese Person war männlich und wollte die Seele seiner Untertanen – ihre Körper, ihre Gefühle, ihre Stimmungen und ihre Psyche. Er wollte alles. Aus einem Nobody wurde ein Acharya, der sich dann Bhagwan nannte, um seine Karriere als Weltenguru, als Meister aller Meister zu vollziehen. Als es offensichtlich wurde, dass sein Himmelreich in Oregon die reinste Hölle war, musste zunächst sein Leben gerettet werden, auch wenn seine irdischen Heerscharen ziemlich blöd guckten, als Grinsebacke verschwunden war.

Am Ende eines langen Trips mit dem firmeneigenen Jet führte ein Mind-Mapping zu einer neuen Strategie, das orangene Chaos in eine geordnete Welt hinüberzuführen. Die Person bekam viele neue Namen, die innerhalb kurzer Zeit mehr Verwirrung stifteten und auch Unbehagen beim Rauschebart auslösten, bis er endlich mit dem buddhistischen Rang eines Oshos zufrieden war, auch wenn die Bedeutung ihn, den ehemaligen Gott, deutlich herabstufte, vorausgesetzt, dass ein Betrachter intelligent genug war, um das zu erkennen.

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Eigentlich wäre die Person nebensächlich, wenn der Einfluss des Machtbesessenen gering gewesen wäre. Vielleicht sollte ich ihn Manipulator nennen, oder den Schrecklichen Manipulator, damit wir wissen, dass der Liebhaber von Sex und Abtreibungen, Rolls-Royce, Atomkraft und Gentechnik dem negativen Spektrum der Menschheitsgeschichte angehörte, auch wenn er, seine Nachfolger und seine Anhänger das Gegenteil behaupten mögen.

Der Schreckliche Manipulator hatte mehrere Techniken, um die Seele eines anderen Menschen zu unterwerfen. Es gab eine Reihe ungeschriebener Gesetze in seinem Reich, die entweder auf Macht beruhten oder auf Selbstmanipulation, die zu gestalten war. Er gab die Spielregeln vor, und dann brauchte er eine Plattform, die ihm die Möglichkeit gab, als Chirurg zu schalten und zu walten. Der Patient musste aufhören zu denken.

Doch der Patient musste es selber wollen. Also pries der Manipulator das Paradies eines Nicht-Denkens. Sein ganzes Leben lang dozierte er über die Ausschaltung das Denkens. Weil das Denken ein Feind jeglichen Machthabers war, musste der Patient dahin gebracht werden zu glauben, dass Denken sein eigener Feind sei. Denken würde von der Liebe abhalten, Denken würde das gesamte Sein vergiften.

Der Schreckliche Manipulator hatte einen langen Weg vor sich, um seinen Schlachtplan umzusetzen. Zunächst musste er das Denken des anderen benutzen, damit dieser die Größe seiner Person erkennen konnte. Anschließend erfolgte die äußere Niederwerfung bis die innere Kapitulation eintreten würde. Das Leben seiner Sklaven hing von ihrem Hirn ab, und dennoch musste das Denken eingestellt werden, bis der Alltag nur noch aus Anbetung einerseits und Herrschen andererseits bestehen würde.

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Das einzige Handicap war die Wiederauferstehung des Denkens. Niemals sollte einer seiner Sklaven auf die Idee kommen, ein eigenes Leben zu reflektieren. Es war ein Tabu, Tagebuch zu führen.

Ein Tagebuch ist Besinnung auf das Wesentliche; es verstärkt Impulse, die uns während des Alltags und während der Nacht erreichen. Wir Menschen haben die Qualität, das Geschehene zu reflektieren, vorausgesetzt, wir sind gewissenhaft und empathisch. Menschliche Entwicklung könnte friedlich und humanistisch sein, wenn es das Böse nicht geben würde. Jedes Individuum könnte natürlich wachsen, wenn es keine Usurpatoren der Seele geben würde.

Wenn der Tag beginnt, so brauchen wir Stille, um uns mit dem Großen Geheimnis zu verbinden. Nach dieser Meditation beginnt der Alltag. Ein Tagebuch sollte fester Bestandteil des Lebens sein. Die Zeit nach der Meditation ist dafür besonders prädestiniert. Das Tagebuch ist ein Schlüssel zum Leben.

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Also fügte der Tyrann eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen hinzu, verbot die Rückbesinnung auf Träume und entwickelte ein Schulungsprogramm für ein menschliches Roboterleben, das die Nicht-Identifikation mit dem eigenen Handeln verinnerlichen sollte. Seine Sklaven hatten ein Tagesprogramm, das ihnen keine Zeit für das Schreiben eines Tagebuchs übrig ließ. Wer von der Norm abwich, konnte belehrt werden. Manchmal war es notwendig, Delinquenten zu ächten und aus dem Herrschaftsbereich zu entfernen. Manch einer der Untertanen ging, doch die meisten hatten ihren Spaß am Hofe des Schrecklichen Manipulators.

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