Mag der Himmel morgens um sieben ein Grau in sich haben, das nicht den natürlichen Umständen entspricht, so ist der Verlauf des heutigen Vormittags etwas seltsam gewesen. Im Traum erschien mir ein indischer Patriarch, der mir erzählte, daß er vor fast dreizehnhundert Jahren gelebt habe und mich in einer dringlichen Mission aufsuchen müsse.

Er sei der Erfinder der drei Affen, eigentlich seien es ja vier gewesen, aber das sei aus heutiger Sicht nicht so wesentlich. Es handele sich um eine einzige Grundfrage. Ästhetik sei das Entscheidende für ein erfülltes Leben. Ob ich denn etwas dagegen hätte, wenn wir das Thema in unserer traumhaften Welt ein wenig erörtern könnten. Weil ich stumm blieb, legte er los, und argumentierte, wie schön es sei, nicht hören zu können.

Weil ich ihn nicht sofort verscheuchen wollte, stimmte ich zu. Es gab Situationen in meinem Leben, da tat ich alles, um nicht zuhören zu müssen. Meinem Vater, zum Beispiel. Oder den dummen Ausbildern der Bundeswehr. Oder Angela Merkel. Abschließend bekam ich Lust, ihn zu ärgern und gab ihm zu verstehen, daß ich Musik liebe und das Stöhnen der Geliebten.

So kam er auf das Thema der Augen, und betonte, daß ich mir die Welt der Phantasie erobern könne, wenn ich die Augen schließe. Doch für einen Photographen ist es unüblich, Traumbilder zu photographieren, und so nehme ich vorlieb mit dem, was ich sehend gestalten kann. Blinde-Kuh-Spiele mögen als spielerischer Einstieg zwischen Jungen und Mädchen im Alter von dreizehn oder vierzehn Jahren interessant sein, um das Vergnügen des Berührens zu erfahren, jedoch würde ich es als Tantriker vorziehen, meinen Augen das Geschenk der Göttin nicht vorzuenthalten.

Warum er nicht fortfuhr, sich mit mir zu unterhalten, bleibt mir unverständlich. Er saß mir gegenüber und sagte nichts. Das gefiel mir gut, und ich entschied, es ihm gleich zu tun und schloß meine Augen. In einem Traum zu meditieren, kann eine interessante Angelegenheit werden, denn ich gelangte, ohne es zu beabsichtigen, auf eine andere Traumebene.

Drei Göttinnen erschienen auf einmal, und sie stellten sich mir als Hera, Athene und Aphrodite vor. Sie versprachen mir weder Macht noch Ruhm oder eine Gespielin, sie wollten nur wissen, mit wem aus ihrer Runde ich Sex haben wolle. Ich bat um Bedenkzeit, und so liebkosten sie mich, verwöhnten meine Ohren mit schönen Liedern und meine Augen mit ihrem Antlitz.

Nach einer halben Stunde gab mir Aphrodite einen süßen Apfel, zwinkerte mit den Augen und schwieg. Weil ich mir in meinen kühnsten Träumen vorgestellt hatte, wie schön es sein könne, mit drei Göttinnen Sex zu haben, war ich vorbereitet. Unter meinem Kopfkissen lagen zwei weitere Äpfel, und so konnte ich einen erneuten Krieg vermeiden, indem ich jeder Göttin einen Apfel überreichte.

Nachdem wir uns lange miteinander vergnügt hatten, verabschiedeten sich die Göttinnen und so gelangte ich auf die Ebene des meditierenden Patriarchen zurück. Nun lag es an ihm zu entscheiden, wie es weitergehen sollte. Er öffnete die Augen und sagte, daß ich lange weg gewesen sei und so gesund aussähe. Ob ich ihm meine Geschichte erzählen wolle?

Als ich am Ende der Geschichte angelangt war, ohne in die Details zu gehen, ward der Patriarch traurig. Vor meinen Augen materialisierten sich vier hölzerne Affen; jede einzelne Figur nahm der alte Buddhist in die Hand, schüttelte den Kopf, bat um Vergebung und dann löste sich jede Verkörperung des Verhaltenskodex vergangener Zeiten auf.

Wir meditierten eine Weile zusammen, bis der Patriarch mich fragte, welche Apfelsorte ich denn empfehlen könne, für den Fall, daß er Besuch von Göttinnen bekäme. So gab ich ihm zu verstehen, daß Boskopäpfel nicht geeignet seien, jedoch seien Äpfel wie Topaz nicht nur schön anzusehen, sondern würden auch angenehm schmecken.

Und dann endete mein Traum. Ich erinnerte mich an die Zukunft, und freute mich auf meinen nächsten Besuch im Naturkostladen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s