Geister schicken keine Postkarten, wenn sie verreisen, nicht einmal, wenn sie im Land der Liebe und des Lichts angekommen sind. Das Einzige, was sie tun können, sind süße kleine Eingebungen für uns irdische Menschen zu senden, auch wenn sie frei sind und nicht darauf warten müssen, dass du dich bei ihnen bedanken wirst.

Petra war so freundlich und hat mir ihre Grüße aus himmlischen Gefilden geschickt, begleitet von deutlichen Bildern der Momente, als sie über dem Steuer lag, in beschützendem Koma, und der Momente, als ich meine Hand auf ihren warmen Rücken legte, auch wenn ich mich fragte, ob ich es tun darf, weil alle zuschauten, was ich tat. Ich tat es, und es war richtig so. Der Tod fühlte sich warm an – auch wenn ich verzweifelt war, denn ich wußte nicht, ob ich es richtig machte und ob es richtig war, dass ein junger Mensch jäh aus dem Leben gerissen wurde.

Heute sehe ich Zusammenhänge. Ganz in der Nähe wurde mein Freund Fenno von einem Bus in den Gegenverkehr gedrängt, mit tödlichen Folgen, nur wenige Jahre später. Sechs Jahre nach Petras Tod hielt ein Gangster eine Pistole an Eddas Stirn – genau an dieser Stelle -, um sie im naheliegenden Wald zu vergewaltigen. Ist es ein Ort, an dem in Vorzeiten Schreckliches geschah? Ich kann nicht durch die Zeiten sehen, und wer es kann, wird keinen Auftrag haben, es zu tun, um die Energien zu heilen oder zu besänftigen.

***

Ich habe ein modernes Ritual für die Verabschiedung von Geistern wie Petra kreiert, und vielleicht haben wir es gemeinsam getan; wir, die wir alle liebevoll miteinander verbunden sind. Keiner kann es mit Bestimmtheit sagen – und doch glaube ich daran, dass mir Ariadne geholfen hat, einen Weg zu finden, um Petras Geschichte identifizieren zu können, und vielleicht einen Teil des Roten Fadens zu sehen und abzuwickeln, vielleicht bin ich alleine darauf gekommen, vielleicht waren es Engel oder kosmische Energien, die mich wachgemacht haben.

Es ist schön, aus Dankbarkeit tanzen zu können, das Gesicht dem Westen und dem Norden zugewandt, den Lautsprechern, die dort stehen, selbst die Sonne scheint warm in das Zimmer, und je mehr ich tanze, desto klarer wird die spirituelle Verbindung zwischen Petra und mir.

Schon gestern abend fand ich Ma von Rare Earth, eine Studio-LP aus dem Jahr 1973, zwei Jahre nach Petras Tod erschienen; heute half mir das Stück 17 Minuten lang, mich für Spirit zu öffnen. Janes Redskin aus demselben Jahr knüpfte die Verbindung zu meinem rebellischem Sein, Eagle Rock von der norwegischen Gruppe Titanic öffnete das Bewusstsein für Fragen, und meine Dankbarkeit fühlte ich bei Frumpies Rosalie, bezeichnenderweise von dem Album All Will Be Changed aus dem Jahr 1970, ein Jahr vor Petras Tod veröffentlicht.

Nun ist sie im Licht, die junge Frau von damals, jedenfalls der unsterbliche Geist des Wesens, das ich berührt habe, als sie noch in ihrem Körper war. Vielleicht zwinkert sie mir zu, genauso wie ich es tun werde, mit all meinen Liebsten, wenn ich ein Lichtwesen sein werde. Dieses Bild ist ein schönes Bild, das Kinder sehr lieben, wenn wir uns mit ihnen über den Tod unterhalten.

***

„Wir werden viel Spaß miteinander haben,“ sagte ich vor langer Zeit meinen Kindern, als eine komplizierte Operation auf mich wartete und ich nicht wußte, ob ich das Ganze überleben würde.

„Ich werde, wenn ich tot bin, ein Engel sein und das Licht flackern lassen, wenn jemand traurig ist und ich werde die Uhrzeit vorstellen, wenn die Schule früher zu Ende sein soll. Nur um eins bitte ich, laßt uns die Zeit miteinander genießen, wenn wir hier auf Erden zusammen sind. Und betet nicht dafür, dass wir schon bald mit dem Schabernacken beginnen können.“

Gestern fing das kosmische Schabernacken an. Selbst Ariadnes schwarzer Porsche spielte mit. Ein Carrera-Porsche, forsch und spritzig, eilte in die Zukunft, während ich all die Menschen betrachtete, die neben mir an der Ampel standen. Sorry, ich habe vergessen zu erzählen, dass Ariadne Porsches liebt. Immer, wenn sie einen sieht, erscheint es ihr wie ein Vorzeichen, dass sie eines Tages einen Porsche fahren wird. Wie Janis.

„Geschenke von Engeln,“ erzählt mir Petra, während ich diese Zeile schreibe, sozusagen als Ghostwriter, „wirst du annehmen dürfen, ganz ohne Gewissensbisse, egal worum es sich handeln wird.“

Ich grinse, denn ich ahne schon, worum es sich drehen wird. Aber das wird nicht verraten, denn sonst könnte es angehen, dass es sich die Engel sonst anders überlegen.


Quelle:

aus dem Ariadne-Project

Playlist: Ritual für Petra

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