“Er weiß es; ich spüre es ganz genau. In dem Moment, als wir uns in die Augen geschaut haben, weitaus länger, als es üblich ist, habe ich gemerkt, daß sich unsere Seelen kennen. Ich liebe es zu schweigen, weil ich seinen Gedanken zuhören mag, auch wenn er dabei nicht spricht und vorgibt, auf sein Notebook zu schauen. Was werde ich antworten, wenn er mir sagt, daß er mich kennt? Ich werde lächeln, und mein Lächeln wird die Antwort sein. Nach einer Pause werde ich sagen: Ja, ich kenne dich auch.”

Ich habe auf diesen Moment gewartet. Ich sehne mich nach Freiheit und ich sehne mich nach Verbündeten. Ein Mensch strahlt es aus, wenn er frei sein will, und dieser Mensch, der neben mir sitzt, wünscht sich nichts sehnlicher als absolute Freiheit. Er will, aber er weiß nicht, wie es geht. Ich kenne seinen Namen nicht, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir uns in diesem Leben kennenlernen. Ich werde ihm zuvor kommen, in seine Augen sehen und sagen, daß wir uns kennen.

Wenn ich zum Fenster gehe, werde ich die Gardinen beiseite ziehen und es für eine Weile öffnen. Auch wenn die Dämmerung begonnen hat, will ich die ganze Dunkelheit. So, wie wir leben und denken, wird das notwendig sein. Wir denken anstatt zu fühlen, wir machen und nehmen nicht wahr. In einer natürlichen Dunkelheit fallen die Masken weg.

Der Raum wird groß und rund und dunkel sein, die Nase, die Augen, die Ohren und die Chakren sind geöffnet, irgendwo im Raum bin ich und irgendwo der andere. Es gibt keinen Platz für Abwehr, nur noch inneres Branden, ein Rauschen der Sinne, spielerisch und unschuldig, wild und animalisch, pure Lebensenergie. Ich werde sehen und fühlen, ob und wie wir uns nahe kommen. Sobald ich angefangen habe zu vertrauen, kann ich die Spielregeln ändern.

Ich schließe die Augen und sehe, daß ich Izu bin. Wie ein Tropfen hänge ich an meinem Blatt, das ich mag und habe Angst loszulassen. Mein ganzer Körper ist verändert, Mutter Erde bebt in mir, mein Bauch pulsiert, die Energie will aufsteigen und ich halte mich zurück, weil ich nicht loslassen kann. Was wird passieren, wenn ich falle?

Wenn mein Ich aufhört zu sein, weiß ich nicht, wer ich bin, woher ich komme und wohin ich gehe. Ich atme ein, ich atme aus. Ich lasse los; unter mir der Ozean. Ich falle und die Energie steigt auf. Ich öffne die Augen und sehe in seine Seele und fühle, daß die Zeit gekommen ist.

Januar 2014


Aus dem Fragment

Katharina

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